So hältst du deinen Boyfriend auf jeden Fall – koste es, was es wolle!

Heute saß ich abends so in meinem Bett und arbeitete an einem Artikel für ZEIT Online, was bedeutet, dass ich heftig prokrastiniere (im Ernst, wie schreibt man dieses Wort, mein Gott!). Fragt mich nicht wie, aber durch eine plötzliche Krümmung im Raum-Zeit-Kontinuum und einer daraus resultierenden Ohnmacht stellte ich fest, dass nach meinem neuerlichen Erwachen die Webseite der COSMOPOLITAN auf meinem Notebook geöffnet war.

Ich kann es mir nicht erklären. Natürlich geht es bei solchen Portalen und Magazinen hauptsächlich um drei Dinge.

  1. Abnehmen
  2. Mode für sehr dünne Menschen

und natürlich:

3.

 

Jahaaaa, Ladies, und wie! Wobei hier Sex eher bedeutet: Wie zur Hölle stelle ich den Mann nur zufrieden, um Gottes Willen!

Keine Panik! Ich habe gewissenhaft recherchiert und die BESTEN Tipps für euch zusammengetragen. Los geht’s!

Äh wie jetzt, ich soll vorher mit meinem Partner abklären, wo unsere Grenzen liegen und was wer mag und nicht einfach loslegen? Scheiße, hätte ich das mal vorher gewusst : (

(Quelle)

Aber echt! Bitte mal ein bisschen Zusammenreißen, Ladies! Hinlegen, Beine breit und den Mann machen lassen, damit der Arme E N D L I C H zum Höhepunkt kommt, ich meine: Was ist bitte sonst das Ziel bei Sex? Und wenn wir gerade schon dabei sind: Bitte nicht so viel quatschen und Schnauze halten, das lenkt ihn ab!

Mann, so viel krasses Wissen, ich bin begeistert, ich bin total auf O N! Also habe ich natürlich direkt weitergelesen, war richtig angefixt und mein Notizbuch, in dem ich nebenher eifrig mitschrieb, füllte sich schnell. Es gibt ja noch so viel zu lernen…

Bin dann direkt auf diesen Artikel hier gestoßen – der hat mir besonders gut gefallen, da er eine der wichtigsten Fragen meines Lebens behandelte, und zwar:

Was macht der Mann, wenn die Frau beim Sex einschläft?

Scheiß die Wand an, es war, als hätte sich die COSMOPOLITAN direkt an mein Hirn angedockt und einfach meine Gedanken gelesen! Ich zitterte schon fast, als ich begierig nach der Antwort des Mega-super-Über-Experten Max König gierte. Und falls ihr euch fragt: Boah was, MAX KÖNIG, etwa DER (!) MAX (!!) KÖNIG (!!!!!!!), kann ich nur sagen: K E I N E A H N U N G, da ich noch nie von ihm gehört habe! Das hält mich aber nicht davon ab, seinem allgemeingültigen Urteil zu 100% zu vertrauen, ich meine schließlich ist er ein Mann und ich bin nur ein „Girl“.

„Diese Situation kennt bestimmt jede von uns: Du hast gerade Sex mit dem Liebsten, aber eigentlich bist du auch ganz schön müde.“

Ich bitte euch, wer kennt es nicht? Typischer Dialog abends im Bett:

ER: „Du, Schatz, ich hab Bock auf Sex.“
ICH: „Oh, das tut mir so leid, ich bin echt müde, aber da ich dir immer gefallen will und Angst habe, dass du Schluss machst, stehe ich dir natürlich trotzdem zur Verfügung!“
ER: „Danke, das ist lieb, da mir deine emotionalen und körperlichen Bedürfnisse egal sind und ich einfach nur ein Tier bin, dessen Aktionen komplett vom Rückenmark unter Umgehung des Gehirns gesteuert werden.“
ICH: „Das weiß ich doch, mein lieber kleiner Neandertaler ohne Gefühle! Also los dann mal, steck ihn rein!“

Und schon geht’s los. Ich hab Gänsehaut, weil diese Situation einfach so aus dem Leben gegriffen ist und exakt das verkörpert, was ich mir unter einer Beziehung auf Augenhöhe vorstelle. Und doch nagt immer dieser Zweifel an mir: Was ist, wenn ich es nicht bringe?

In diesem Kontext die professionelle Frage einer investigativen Journalistin der COSMOPOLITAN an Max(!) König(!!!):

„Jetzt mal ernsthaft. Wärst du sauer, wenn ein Girl mit dem du gerade Sex hast einfach einschläft?“

Ja Max, bitte sag es mir, WÄRST DU SAUER, wenn ich GIRL einpennen würde? 🙁

„Hier geht es um Erwartungsmanagement: Wir erwarten, dass ihr total abgeht, wenn wir euch vögeln. Wenn ihr das Gegenteil macht, also einschlaft, müssten wir eigentlich sauer werden.“

Versteh ich, das ist absolut klar. Ich mein wenn ich den Erwartungen nicht gerecht werde, wenn ich keine PERFORMANCE bringe, habe ich es nicht anders verdient, als dass mein Partner echt sauer auf mich ist. Ich bin Abfall. Unwürdig. Ein Nichts. Schrei mich an. Erniedrige mich noch mehr, als es ein COSMOPOLITAN-Abonnement jemals tun würde. Ich hab’s nicht anders verdient.

Aber Achtung! Max(!) König(!!!) hat da noch einen total alternativen und etwas experimentellen Vorschlag im Petto.

„Oder wir respektieren euer Bedürfnis nach Erholung und legen uns dazu. Nicht umsonst heißt Sex auf Deutsch ja ‚miteinander schlafen‘. Da können wir euch keinen Vorwurf machen.“

F U C K. Max, hey! Ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich verdiene. Diese Gnade, all das. Scheiße, ich hab Tränen in den Augen! T R Ä N E N!!!

 

Bitte, gebt mir kurz Zeit, mich wieder zu fangen. Ich denke, ich spreche für alle heterosexuellen Frauen dieser Erde, wenn ich sage: Danke, Max. Einfach danke.

Aber die beste Stelle kommt noch:

MAX(!) KÖNIG(!!): „Vielleicht gibt es Männer, die einfach weitervögeln, wenn ihr einschlaft. Lustig wird es, wenn ihr aufwacht und erzählt, ihr hättet geträumt, dass wir echt wilde Sachen mit euch angestellt hätten.“
INVESTIGATIVE COSMOPOLITAN-JOURNALISTIN: „Aber auch nur lustig für euch!“
MAX(!) KÖNIG(!!): „Ihr könnt euch gerne rächen!“
INVESTIGATIVE COSMOPOLITAN-JOURNALISTIN: „Ganz bestimmt!“

Moah ey, ich find es auch TOTAL niedlich, wenn man sich gegenseitig ein bisschen hin und her vergewaltigt, während der passive Partner halt jeweils nichts mitkriegt <3. So sieht Liebe aus! Tipp: Funktioniert auch besonders gut, wenn ich euer Gegenüber ins Koma gesoffen hat, der Schlingel (oder die Schlingelin), klappt auch gut mit anderen „Hilfsmitteln“ in Getränken.

Danke Max(!) König(!!!). Danke COSMOPOLITAN

Was ist das für 1 geiles Horoskop, frag ich da?

Ich hoffe, ihr seid jetzt auch so mitgerissen wie ich. Deshalb möchte ich diesen Artikel jetzt mit einem ganz besonderen Service abrunden, und zwar mit dem COSMOPOLITAN-Horoskop für Steinböcke wie mich!

Im Punkt Liebe steht das für mich an:

„Schon im Januar hast du gute Chancen auf ein paar heiße Flirts, der Einfluss des Saturns macht dich aber sehr misstrauisch.“

Och menno ey, dieser blöde Saturn :(. Naja, dann eben ein andermal!

„Vielleicht reizt dich ein exotischer Mann?“

Bitte W A S, etwa ein A U S L Ä N D E R ??? Ach Moment, bestimmt haben die das nicht rassistisch, sondern lieb gemeint, lol.

„Ob du es dir wünscht oder nicht: Saturn sorgt dafür, dass dir viel Verantwortung zugetraut wird. Vielleicht führst du eine Abteilung oder sogar das ganze Unternehmen – und dank Jupiter klappt das auch wie am Schnürchen.“

Boah mega! Ich habe meinen Chef UMGEHEND über die bevorstehende Firmenübernahme per Mail in Kenntnis gesetzt und freue mich schon sehr darauf, morgen mit ihm die Übergabemodalitäten zu besprechen :).

„Ab Mitte Mai hast du das Gefühl, dass du eine berufliche Veränderung brauchst. Du möchtest etwas machen, was neu und besonders ist.“

Hey, wartet, da bin ich doch gerade erst Chefin geworden? :/

„Bis November kannst du nämlich auf die Unterstützung von Glücksplanet Jupiter setzen.“

G E I L!

Mann, Leute, ich freu mich so sehr auf das Jahr 2018! Bis dahin habe ich aber noch viel zu tun, weshalb ich diesen Artikel nun beenden muss. Ich muss weiter bei der COSMOPOLITAN oder der InStyle recherchieren, wie ich meinen „exotischen“ Mann dann um jeden Preis halten kann.

Also Schwestern, euch ebenfalls viel Glück! Und denkt dran: Nicht so viele Widerworte geben! 🙂

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PS: Wenn ihr jetzt auf ON seid, könnt ihr hier lernen, wieso sexuelle Belästigung nötig ist und wir Frauen dauernd irgendwelches Sperma wollen oder so, weiß nicht mehr, ist kompliziert. 

(Headerbild Screenshot: cosmopolitan.de)


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Professor Rauscher, die Uni Leipzig und die Angst vorm afrikanischen Ausbreitungstyp

Gerade gestern habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass ich vor einem Jahrzehnt „Ersti“ an der Uni Marburg war. Dort habe ich studiert, bevor ich nach Wien gewechselt habe. In Wien habe ich mich, zusätzlich zu meinem Bio-Studium, in Philosophie eingeschrieben und dachte mit Wehmut an meine Lieblingsprofessoren, an das Kantseminar, an die lustige Prüfung in Theoretischer Philosophie. Ich hatte Glück – meine Professorinnen und Professoren waren intelligente, verständige und weltgewandte Menschen, aufgeschlossen, neugierig und in ihrem Denken nicht versteift.

Und während ich noch in diesen schönen Gedanken an die Uni schwele, wird mir das heute in die Timeline gespült:

 

Thomas Rauscher ist Professor für Internationales Recht und Privat- und Verfahrensrecht an der Universität Leipzig. Leipzig, war da nicht was? Genau, da marschierte der Pegida-Ableger „Legida“ regelmäßig auf, um der Angst der Besorgten ein Banner- und Fackelschwingendes Ventil zu geben. Perfektes Setting also für neurechte Ideen.

Schon in den Jahren davor, besonders im Februar 2016, fiel der werte Herr durch Tweets auf, die von seiner anscheinend existierenden Angst getrieben waren, der „weiße Mann“ könne von irgendwelchen nicht-weißen Völkern überrannt werden. Das klingt dann so:

Außerdem ist er der Meinung, dass es keinen friedlichen Islam gebe und die EU von „Roma und Flüchtlingen“ irgendwie besetzt sei oder sowas.

Damit ihr mal einen Eindruck von diesem Professor – der jungen Menschen Lehre, Anleitung und geistige Nahrung geben soll – bekommt, habe ich hier ein kleines Best-Of für euch:


(Kleine Zwischenfrage: Lest ihr die Tweets in eurem Kopf auch mit Goebbels-Stimme? Ich frage für einen Freund.)

Haha ja, „die einzige Religion, die solchen Hass gebiert“. Kleiner Exkurs ins aktuelle Weltgeschehen:

In Myanmar ist es nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) zu systematischen Vergewaltigungen der verfolgten Rohingya-Minderheit durch Soldaten gekommen. Der UN-Sondergesandten für sexuelle Gewalt in Konflikten, Pramila Patten, zufolge sei die sexuelle Gewalt im Norden Myanmars durch die Armee „befohlen, orchestriert und verübt“ worden.

Patten beruft sich dabei auf übereinstimmende Berichte Überlebender, laut denen es zu „Gruppenvergewaltigungen durch viele Soldaten und erzwungener Nacktheit in der Öffentlichkeit“ gekommen ist. Zudem seien viele Frauen in Armeegefangenschaft sexuell versklavt worden. An der sexuellen Gewalt sollen UN-Angaben zufolge auch myanmarische Grenzpolizisten und regierungstreue Milizen beteiligt sein. Bei den Vergewaltigungen handele es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte die UN-Sondergesandte in Dhaka, der Hauptstadt des benachbarten Bangladesch.“

Hintergrundinfo: Rohingya = Muslime, Täter = Buddhisten. Aber gut, halten wir uns nicht mit so Details wie der Wahrheit auf, oder?


(Ja, den schnall ich auch nicht, aber hey, ich mag Spinat – wo wir gerade schon bei Random-Facts sind.)

Hier möchte ich kurz einhaken. Ich hätte nie gedacht, das mal einem Jura-Professor erklären zu müssen, aber naja – wir leben in seltsamen Zeiten. Aber, Herr Rauscher, schauen wir uns doch mal die Definition von „Invasion“ an:

1. Die militärische Invasion:
„Eine Invasion (von lat. invadere – dt. hineingehen, eindringen) steht für das feindliche Einrücken von Militär in fremdes Gebiet.Dementsprechend wird eine angreifende Kriegspartei als Invasor bezeichnet.“

Also ich hab jetzt irgendwie noch keinen Flüchtling mit dem Panzer hier einrollen sehen, während er die Flagge seines Landes schwenkte. Sie aber anscheinend schon?

2. Die biologische Invasion
„Als biologische Invasion bezeichnet man allgemein die durch den Menschen verursachte Ausbreitung einer invasiven Art in einem Gebiet.“

Das letzte Mal als ich es geprüft habe, waren Menschen aus anderen Ländern noch keine andere Art. Ich hab mir jetzt die Mühe gemacht, extra für Sie, lieber Herr Rauscher, noch einmal den menschlichen Stammbaum nachzuvollziehen. Bitte sehr:

Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)

Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)

Familie: Menschenaffen (Hominidae)

Unterfamilie: Homininae

Tribus: Hominini

Gattung: Homo

Art: Mensch

Seltsam. Hier steht wirklich nichts davon, dass die Art vom Geburtsort oder der Hautfarbe abhängt. Vielleicht sollten Sie Ihre Biologie-Bücher aus den 30er Jahren wegwerfen und neue besorgen? Man sollte nie den Anschluss an die aktuelle Forschung verlieren!

Aber, das geht jetzt wieder an meine lieben Leserinnen und Leser, schauen wir uns doch weiter an, was der Professor so twittert, ihr ahnt es schon: Wir sind hier noch nicht durch.

Der afrikanische Ausbreitungstyp

Afrika hat er halt echt auch besonders auf dem Kieker. Die Angst, vom „schwarzen Mann“ überrannt zu werden, sitzt tief. Gut, dass er auch Tipps parat hat, die in die gleiche Kerbe schlagen wie Björn Höckes „afrikanischer Ausbreitungstyp“:


„Vermehren“… noch so ein Begriff aus der Tierwelt. Sympathisch und sehr professionell!

Da fällt mir gerade ein, was ist nochmal die Position der katholischen Kirche bezüglich Empfängnisverhütung, Stichwort christliches Abendland und so? Naja, egal.

Keine Ahnung, wie es euch geht, mir fallen sofort ein paar andere Sachen ein: Der Klimawandel, Donald Trump, der vielleicht versehentlich einen Atomkrieg auslöst, die sich dem Ende neigenden Ressourcen, multiresistente Keime… Naja, Details, ne?

Besonders mag ich auch die Stellen, wo er die Geschichte des Kolonialismus komplett (!) ignoriert und einfach davon ausgeht: Der Afrikaner an sich!!!!!1111 sei faul und der Europäer fleißig, weshalb es uns so gut geht und denen da so schlecht. Ich weiß nicht, wieviele Stunden man in der Schule in Geschichte fehlen muss, damit solche Gedanken im eigenen Gehirn Sinn machen, aber naja.

Das könnte jetzt endlos so weitergehen, ich höre jetzt aber mal auf.

Der Uni Leipzig ist der Rassismus ihres Personals anscheinend gleichgültig

Falls ihr gerade denkt: Boah krass, das muss man der Uni Leipzig mal sagen, dass der so ist, die wissen das da sicher nicht!, muss ich euch enttäuschen: Die Uni Leipzig weiß durchaus Bescheid, es ist ihr halt nur leider egal. Das klingt dann so:

„Als Rektorin widerspreche ich den per Twitter gemachten Äußerungen natürlich ausdrücklich. Die Universität Leipzig steht für Weltoffenheit und Toleranz. Wir stellen uns entschieden gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut. Das haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder deutlich gemacht und werden das auch in Zukunft tun. Wenn es einzelne Universitätsangehörige gibt, die sich anders äußern, ist das sehr bedauerlich. Solange sie sich als Privatperson äußern, werden wir aber damit leben müssen. Zum Glück sieht unser Grundgesetz die freie Meinungsäußerung vor. Wir müssen das aushalten, ohne es zu ignorieren. Wir können solche Äußerungen zum Anlass nehmen, eine Debatte darüber zu führen, auf einem vernünftigen Niveau, und das werden wir tun. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe ‚Donnerstagsdiskurs‘ werden wir nach der vorlesungsfreien Zeit, also in den ersten Wochen des Sommersemesters, auch einen Diskurs zum Thema Meinungsfreiheit führen. Ich habe Professor Rauscher dazu bereits eingeladen und eine Zusage erhalten. Darüber hinaus wird es zu den Äußerungen von Herrn Rauscher Diskussionen in den universitären Gremien geben, es wird natürlich auch auf der Tagesordnung der nächsten Fakultätsratssitzung in der Juristenfakultät stehen.“

(Stand: 15.11.2017, 16:24 Uhr)

Falls Unklarheiten bestehen, hier die Übersetzung: Wir wissen Bescheid, es ist uns egal, wir werden darüber „diskutieren“, was bedeutet, dass nichts passieren wird.

Das Statement ist von 2016, und passiert ist – ratet mal! – nichts.

Gar nichts.

Dieser Professor hat weiter Zugriff auf junge Menschen, hat weiterhin die Möglichkeit, Hass, Diskriminierung und neurechte Ideen in die Köpfe hunderter, nein tausender Lernwilliger zu pflanzen und irgendwie juckt es keinen.

Falls ihr denkt: Oh, bei den neusten Entgleisungen, also da muss die Uni doch reagieren!… well. Sie hat einfach nochmal dieses „Statement“ gepostet und denkt, dass sich die Sache damit hat.

 

Achja, und falls ihr immer noch nicht sicher seid, welches Geistes Kind der Professor ist:

Früher war er übrigens FDP-Fan, das mal so am Rande.


Naja, ich sag dann mal eher: Danke für nix – ganz besonders auch an dieser Stelle an die Uni Leipzig.

 


 

Update 18:53: Die Uni Leipzig hat eine neue Stellungnahme gepostet:

Prüfen, soso. Na, da sind wir ja mal gespannt, was bei der Prüfung rauskommt.


Update 16.11.2017, 07:30

Der Professor hat seinen Twitter-Account gelöscht.

 


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Halloumi

Andere Leute sind bestimmt auch oft traurig, denkst du und rennst zur Tramhaltestelle, nicht schon wieder die scheiß Tram verpassen, nicht schon wieder!, es ist schon super spät und es nieselt. Dein Halloumi im Brot schlackert in der dünnen Plastiktüte an deinem Handgelenk, während du die Schritte beschleunigst und kurz bevor die Türen schließen, springst du noch schnell rein – geschafft! Dein Tageshighlight und besser wird es vermutlich auch nicht mehr, es ist ja schon kurz vor zehn Uhr abends.

Aussteigen, ab in Richtung U1 an der Warschauer, du trittst in etwas, das wie ein halbaufgegessener Hotdog aussieht. Als du dich umblickst, siehst du einen komplett überlaufenen Mülleimer aber was soll’s, Berlin eben. Trotzdem irgendwie traurig und trostlos und so, vielleicht würde jemand aus Kreuzberg ein Foto davon machen und es Kunst nennen, traurige Kunst halt, kein Plan. Beim genaueren Hinschauen bemerkst du, dass der meiste Müll Essensreste oder Servietten oder Pappteller oder Plastikbesteck oder Kaffeebecher sind, alles Relikte dieser unsäglichen Unterwegs-schnell-noch-was-essen-Kultur. Das muss doch nicht sein, denkst du, dieses unterwegs essen, was soll das, kann man nicht eine Stunde warten, bis man dann eben zu Hause oder im Hotel ist und sich hinsetzen kann wie jeder andere Otto-Normal-Traurige. Essen muss man doch zumindest der Form halber genießen und nein, du denkst sicher nicht, dass du ein verfickter Gourmet bist, wenn du dir morgens deine zwei labberigen Scheiben Toast in den Toaster steckst. Dennoch kann man sich doch die kurze Zeit nehmen, du frisst deinen Halloumi ja hier auch nicht vor allen Leuten auf der Straße wie ein Tier, das direkt am Ort des Gemetzels beginnt, sich an dem erlegten Kadaver zu laben. Fehlt ja nur noch, dass sich alle auf ihre scheiß Knie werfen. Das macht dich halt auch wieder traurig, diese Hektik, dieses Gerenne, das ist doch alles nichts, denkst du. Und nicht nur traurig macht dich das, nein, es macht dich auch einfach fertig.

Fertig steigst du dann die drei Stockwerke in die Wohnung hoch, du gehst ins Bad, Hände waschen weil eklige Öffi-Hände, dann pinkeln (wer fasst seinen Schwanz denn auch mit Öffi-Händen an), dann halt nochmal Hände waschen. Der Halloumi liegt auf der Waschmaschine und wartet geduldig, während du dich fragst, was für eine komische WG das hier ist, da liegen ja nichtmal Comics neben der Toilette, wieder traurig. Bei ihr zu Hause lagen Katz & Goldt Bücher auf dem kleinen Tisch neben dem Waschbecken, die hast du immer gelesen, wenn du auf der Schüssel saßt, das war schön. War eh alles schön mit ihr, ist jetzt aber halt auch vorbei.

Du gehst in dein Zimmer, der Halloumi ist mittlerweile kalt geworden und matt stopfst du das Zeug in dich rein, aber sitzend, mit Serviette und so, du bist zwar traurig aber immer noch kein Tier, du hast immerhin noch ne scheiß Würde, Herrgott, auch wenn du das Zeug in deinem Bett frisst und dir dein Kater dabei zusieht. Kann eh nicht sprechen das Vieh, wem soll er’s also erzählen, ist doch eh peinlicher, dass du dabei auch noch Maischberger schaust, auch egal.

 


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Rede auf dem Rechtsrock-Konzert in #Themar

Gestern war es mal wieder soweit: Wie schon im Sommer wurde das 3.000 Einwohner zählende Thüringische Städtchen von Neo-Nazis überrollt. Die Politikerin Katharina König war wieder einmal dort und hat eine Rede und einige Eindrücke vom Konzert über Periscope live gestreamt.

Heute vermeldet der MDR:

Hm. Erst einmal frage ich mich, wie berichtet worden wäre, sobald auf einem linken Festival 17 Anzeigen und vier Festnahmen stattgefunden hätten. Aber das ist Polemik, auch egal. Was ich mich aber eher frage: Diese Rede… die haben die schon gehört, oder? Also wenn diese Rede, von der ich leider noch nicht weiß, wer sie gehalten hat, kein größerer Zwischenfall ist, dann weiß ich auch nicht.

Weil das Video auf Periscope in ein paar Stunden gelöscht ist, habe ich mich hingesetzt und die Rede einfach mal mitgeschrieben. Am Anfang erklärt der Redner etwas zur Müllpolitik auf dem Festival, dann fährt er so richtig auf. Grammatikfehler habe ich nicht korrigiert und Stellen, an denen ich nichts verstanden habe, markiert. Ich ziehe hier erst einmal die wichtigsten Stellen heraus und kommentiere sie, die komplette mitgeschriebene Rede gibt es dann im Anhang. Los geht’s:

„Wir haben jetzt hier in Thüringen einen neuen Innenminister, der war heute da, dieser Herr Maier. Der Herr Maier ist sehr engagiert im Kampf gegen rechts. Also quasi als Thüringer Innenminister mit seine Hauptaufgabe sich darum zu kümmern und darauf zu achten, dass das Entstehen nationalistischer Strukturen in Thüringen unterbunden wird. Genau das Gegenteil ist natürlich der Fall. Unsere Strukturen in Thüringen wachsen jetzt seit vier Jahren, weil wir es seit vier Jahren immer wieder geschafft haben, ordentliche, gut organisierte, disziplinierte Veranstaltungen durchzuführen.“

Das, meine Damen und Herren, ist leider wahr. Nicht nur die Neo-Nazi-Szene Szene wächst, mittlerweile starten die Neuen Rechten ebenfalls richtig durch (AfD, Identitäre Bewegung, ihr wisst schon). Hier hat übrigens Rico Grimm einen sehr guten Artikel auf Krautreporter zu geschrieben. Aber bleiben wir beim Thema, denn jetzt wird es erst so richtig interessant:

„Jeder weiß, welche Symbole, welche Handbewegungen in diesem Land streng verboten sind. Es ist also nicht dass wir, äh, dass uns das gefällt und dass wir das schön finden, dass wir diese Dinge durchsetzen müssen, aber das ist sehr wichtig, denn sonst ist es nicht möglich, solche Veranstaltungen durchzuziehen. Beim kleinsten Verstoß steht hier die geballte Staatsmacht da, um die Veranstaltung dann zu unterbinden.“

Okay. Es gefällt ihnen also nicht, dass sie deutsches Recht durchsetzen müssen. Es gefällt ihnen nicht, dass man nicht herumlaufen und den Hitlergruß zeigen darf, dabei „Sieg Heil“ brüllen kann und seine tätowierten SS-Runen und Co. zur Schau stellen darf. Also zusammengefasst: Sie würden gerne verfassungsfeindliche Symbole und Straftaten begehen, trauen sich aber nicht, damit die Veranstaltung weiterlaufen kann. Na sowas.

„Natürlich ist es sehr einfach, uns irgendwelche Provokateure zu schicken, wir können nicht genau kontrollieren, wer jetzt hier kommt. Jeder kann hier rein, jeder kann sich ne Eintrittskarte kaufen, das ist überhaupt kein Problem. Und deswegen ist es natürlich immer möglich, dass es Leute gibt, die also absichtlich dann, äh, Straftaten vollführen, die uns dann praktisch das Problem bringen, dass wir die Veranstaltung abbrechen müssen.“

Wenn also jemand dann doch einen Hitlergruß zeigt, dann ist das ein Provokateur, den die bösen Linksfaschisten geschickt haben, um das Ding aufzumischen und zu sabotieren. Okay. Der Aluhut sitzt, aber das ist noch nichts, liebe Leser. So richtig abgedreht wird es nämlich erst noch.

„So, und dann grundsätzlich dazu zu sagen, ist es natürlich absolut nicht hinnehmbar oder absolut ne Zumutung, dass zum Beispiel bestimmte Gesten, Körperhaltungen, Handzeichen und sowas in einem Land verboten sind. Genau so, wie ihr bestimmte uralte Symbole, die wesentlicher Bestandteil unserer Kultur sind, dass die verboten sind, das ist natürlich überhaupt nicht hinnehmbar und das zeigt natürlich ganz deutlich den Zustand, in dem sich (unverständlich, dieses Land?) befindet.“

Ich verstehe. Also ist der Hitlergruß, sind SS-Runen und Nazisymbole „uralte“ Symbole und „Bestandteil unserer Kultur“? Seit wann das? Bedeutet das also, dass der Nationalsozialismus nicht der dunkelste Teil unserer Geschichte, sondern ein fester Bestandteil unseres kulturellen Raumes ist? Ist Hitlergruß „Leitkultur“? Ist dann der Holocaust auch Teil unserer „Kultur“ und soll fortgeführt werden, und nicht schwärzester Punkt unserer Geschichte? Was ist denn dann bitte noch Teil unserer „Kultur“? Das würde mich hier dann doch brennend interessieren.

„(Unverständlich) Deutschland ist nicht souverän, die BRD ist kein souveräner Staat, sie ist ein Besatzungskonstrukt, das wissen wir alle. Das müssen wir aber trotzdem immer wieder betonen, denn das ist natürlich Grund dieser ganzen Repressionen die gegen uns durchgeführt werden.“

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Sie haben vermutlich auch Xavier Naidoo für dieses Konzert angefragt, der konnte aber gerade nicht. Naja. Auch, wenn das amüsant idiotisch klingt, wird es hier aber auf einmal gar nicht mehr witzig:

„Deutschland ist nicht souverän, das deutsche Volk hat 1945 in beispiellosem Abwehrkampf gegen die massive Übermacht eines Gegners diesen zweiten Weltkrieg verloren, und seit diesem Tag sind wir als Volk nicht frei.“

Hier wird sich also gewünscht, dass wir den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten. Das Resultat wäre die komplette Ermordung aller Juden, Homosexuellen, politschen Gegner, Nicht-Arier etc. gewesen, ein unfreies Europa, dessen Boden noch blutdurchtränkter wäre, als es sowieso schon ist. Übrigens war das deutsche Volk, zu dem eben auch Juden, Homosexuelle, Linke, Muslime und Co. gehörten und gehören, unter Hitler definitiv nicht „frei“, ihr Holzbirnen. Und das „deutsche Volk“, mit dem hier einfach „die Nazis“ gemeint sind, hat keinen Abwehrkampf gekämpft. Deutschland ist in fremde Länder eingefallen, hat Europa mit Krieg überzogen und unsägliche Massenmorde begangen. Das Schlimmste, das hätte passieren können, wäre, dass Deutschland den Krieg gewonnen hätte. Und wir sollten jeden Tag dem Schicksal und den Aliierten auf Knien danken, dass es das nicht getan hat.

„Das heißt wir müssen unseren deutschen Kampfgeist auch in dieser schwierigen Zeit heute erhalten und auf die Situation hoffen, auf die Situation warten, in der wir die Möglichkeit haben, uns als Volk wieder zu erheben.“

Also darauf warten und hinarbeiten, unsere Demokratie abzuschaffen. Alles klar.

„Diese Veranstaltungen geben uns die Möglichkeit, über verschiedene Gruppierungen hinweg immer wieder regelmäßig zusammenzukommen, immer wieder in Kontakt miteinander zu stehen, immer wieder in Austausch miteinander zu stehen, uns regelmäßig zu treffen und Strukturen aufzubauen, die es uns immer besser ermöglichen, dieses Veranstaltungskonzept durchzuführen. Das ist das Einzige, aber auch sehr wertvolle, was wir momentan in diesem Lande für uns und für unser Volk leisten können.“

Also wenn ihr wirklich etwas Gutes für unser Land tun wollt, könntet ihr in irgendwelche Höhlen ziehen und nie wieder rauskommen. Zum Beispiel. Nur so als konstruktiver Tipp, Bussi!

„Und irgendwann, wenn irgendwann die Situation, die jetzt auf uns hereinbricht, wo gerade der Feind versucht, in diesem Land Chaos zu stiften, dann werden wir auch dieses Chaos, das in unserem Land losgetreten wird, im Sinne unserer (unverständlich) und unseres Willens nutzen können, wenn wir für diesen Tag bereit sind.“

Mhm mhm, aha, aha. Wer ist denn dieser Feind? Die Linken? Die Geflüchteten? Ich würde ja sagen, die Einzigen, die hier alles kaputt machen, seid ihr und eure studierten Freunde der „Neuen Rechten“, aber gut.

Ich weiß nicht, wie man da sagen kann: Lief alles super. Und ich wollte das einfach nur mal als kurzes Streiflicht festhalten, damit nicht dauernd irgendwelche Abwiegler kommen und sagen: Ach lasst die doch machen, ist doch nicht so schlimm, die da auf der Wiese.

Doch, die sind schlimm. Die wollen unsere Demokratie abschaffen und es ist jetzt nicht so, als seien das nur ein paar irre Halbidioten auf nem Acker. Diese Leute sind eben auch mit den „schlauen“ Rechten von AfD & Co. verbandelt. Mit Leuten, die jetzt schön im Bundestag sitzen und von unseren Steuerngeldern finanziert daran arbeiten, wie man unsere Demokratie abschaffen kann.

Seeräuberbatman over and out.

 


Update zum Redner:

 

Hier findet ihr noch eine Fotostrecke zum Konzert:


Komplette Rede:

„Wir haben jetzt hier in Thüringen einen neuen Innenminister, der war heute da, dieser Herr Maier. Der Herr Maier ist sehr engagiert im Kampf gegen rechts. Also quasi als Thüringer Innenminister mit seine Hauptaufgabe sich darum zu kümmern und darauf zu achten, dass das Entstehen nationalistischer Strukturen in Thüringen unterbunden wird. Genau das Gegenteil ist natürlich der Fall. Unsere Strukturen in Thüringen wachsen jetzt seit vier Jahren, weil wir es seit vier Jahren immer wieder geschafft haben, ordentliche, gut organisierte, disziplinierte Veranstaltungen durchzuführen. Das ist ein großer Erfolg, der Erfolg liegt vor allen Dingen an euch – weil ihr wisst, wie ihr euch benehmen müsst, weil ihr wisst, wie ihr euch benehmen könnt, was gemacht werden darf und kann und was nicht gemacht werden kann. Jeder weiß, welche Symbole, welche Handbewegungen in diesem Land streng verboten sind. Es ist also nicht dass wir, äh, dass uns das gefällt und dass wir das schön finden, dass wir diese Dinge durchsetzen müssen, aber das ist sehr wichtig, denn sonst ist es nicht möglich, solche Veranstaltungen durchzuziehen. Beim kleinsten Verstoß steht hier die geballte Staatsmacht da, um die Veranstaltung dann zu unterbinden. Und deswegen liegt es an euch, an eurer Disziplin, diese Dinge so vonstatten gehen zu lassen, dass wir also in diesem Veranstaltungsrahmen weiterzumachen. Natürlich ist es sehr einfach, uns irgendwelche Provokateure zu schicken, wir können nicht genau kontrollieren, wer jetzt hier kommt. Jeder kann hier rein, jeder kann sich ne Eintrittskarte kaufen, das ist überhaupt kein Problem. Und deswegen ist es natürlich immer möglich, dass es Leute gibt, die also absichtlich dann, äh, Straftaten vollführen, die uns dann praktisch das Problem bringen, dass wir die Veranstaltung abbrechen müssen. Und deswegen, bitte, seid so gut: Achtet nicht nur auf euch selbst, sondern achtet auch auf den neben euch, wenn ihr also merkt, dass jemand irgendwelchen Blödsinn anfängt, dann versucht das, zu unterbinden, beziehungsweise gebt dann den Ordnern Bescheid, damit die sich dann darum kümmern können. So, und dann grundsätzlich dazu zu sagen, ist es natürlich absolut nicht hinnehmbar oder absolut ne Zumutung, dass zum Beispiel bestimmte Gesten, Körperhaltungen, Handzeichen und sowas in einem Land verboten sind. Genau so, wie ihr bestimmte uralte Symbole, die wesentlicher Bestandteil unserer Kultur sind, dass die verboten sind, das ist natürlich überhaupt nicht hinnehmbar und das zeigt natürlich ganz deutlich den Zustand, in dem sich (unverständlich, dieses Land?) befindet. (Unverständlich) Deutschland ist nicht souverän, die BRD ist kein souveräner Staat, sie ist ein Besatzungskonstrukt, das wissen wir alle. Das müssen wir aber trotzdem immer wieder betonen, denn das ist natürlich Grund dieser ganzen Repressionen die gegen uns durchgeführt werden. Deutschland ist nicht souverän, das deutsche Volk hat 1945 in beispiellosem Abwehrkampf gegen die massive Übermacht eines Gegners diesen zweiten Weltkrieg verloren, und seit diesem Tag sind wir als Volk nicht frei. Wir sind im Prinzip nichts weiter als Sklaven in einem Großraumgefängnis. Das ist der Zustand, in dem wir uns befinden und deswegen sind uns auch bestimmte Souveränitätsrechte, zum Beispiel eben Symbole, denen wir uns traditionell verpflichtet fühlen, verboten. Und das ist jetzt aber nicht so, dass das für uns eine Schande ist, ne? Wir müssen diese Verbote akzeptieren, wir müssen damit leben, dass das so ist, aber wir leben damit in Würde, in Ehre und aufrecht. Wir können’s ja nicht ändern. So ist es also überhaupt keine Schande für einen Sklaven, Sklave zu sein, das Bewusstsein zu haben, dass er eben nicht frei ist und dieses Sklaventum eben anzunehmen. Natürlich immer mit dem Willen, dieses Joch in dem Moment abzustreifen, in dem das möglich ist. Das heißt wir müssen unseren deutschen Kampfgeist auch in dieser schwierigen Zeit heute erhalten und auf die Situation hoffen, auf die Situation warten, in der wir die Möglichkeit haben, uns als Volk wieder zu erheben. Und wir werden diese Zeit bis dahin damit nutzen, dass wir uns in unseren nationalen Strukturen gerade durch diese Veranstaltungen hier immer besser und immer weiter organisieren. Diese Veranstaltungen geben uns die Möglichkeit, über verschiedene Gruppierungen hinweg immer wieder regelmäßig zusammenzukommen, immer wieder in Kontakt miteinander zu stehen, immer wieder in Austausch miteinander zu stehen, uns regelmäßig zu treffen und Strukturen aufzubauen, die es uns immer besser ermöglichen, dieses Veranstaltungskonzept durchzuführen. Das ist das Einzige, aber auch sehr wertvolle, was wir momentan in diesem Lande für uns und für unser Volk leisten können. Und irgendwann, wenn irgendwann die Situation, die jetzt auf uns hereinbricht, wo gerade der Feind versucht, in diesem Land Chaos zu stiften, dann werden wir auch dieses Chaos, das in unserem Land losgetreten wird, im Sinne unserer (unverständlich) und unseres Willens nutzen können, wenn wir für diesen Tag bereit sind. Und diese Bereitschaft, die können wir auch dadurch erstellen, dass wir uns im Rahmen bestimmter Veranstaltungen regelmäßig treffen, regelmäßig in Kontakt miteinander stehen und vor allen Dingen unsere eigenen Strukturen aufbauen. Und deswegen ist es gerade in Thüringen, durch den neuen Innenminister eben, das Ziel, das zu unterbinden. Wir werden also mit weiteren Repressionen im nächsten Jahr rechnen, aber ich kann euch sagen: Alle Repressionen, die gegen uns vorgebracht haben, haben uns bis zum heutigen Tag nur noch stärker gemacht. Und das wird so weitergehen und wir werden dieses Veranstaltungskonzept auch noch in weiterer Zukunft durchziehen. Erfolgreich, mit Hilfe von euch, mit Hilfe eures Ordnungssinnes, eurer Disziplin und eurer Teilnahme. Dankeschön.“

 


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Lieben ist wie Sterben üben.

Beim Ende einer Liebe ist es vermutlich wie beim Sterben. Das Blut zieht sich zuerst aus den Fingerspitzen zurück, aus den Zehen, aus allen Extremitäten. Die Stellen, wo der Tastsinn sitzt. Die Stellen, die ganz sensibel sind. Du selbst wirst unsensibler dem anderen gegenüber, jedoch auch irgendwie empfindlicher. Weil du merkst, dass etwas nicht stimmt. Dass es zu Ende geht.

Wenn der andere dich berührt, fühlt es sich ein bisschen an, als hättest du Fieber. Als streiche man dir bei 40°C über den Arm, gegen den Haarwuchs. Es kratzt, schabt, keine Ahnung. Das Gefühl ist irre schwer zu beschreiben, aber jeder kennt es und es ist ein Gefühl, das ganz anders ist als jede Berührung bis dahin.

Dein Herz schlägt langsamer, dein Atem wird flacher. Dir geht die Puste aus, lieben ist wie Sterben üben. Sterben mehr Menschen Lieben im Frühjahr oder im Herbst, wenn die Kastanien fallen? Jedes Gespräch fühlt sich an wie ein Marathon, jedoch auf dem kleinsten Parcours der Welt. 42km auf einer Strecke, die nur 200 Meter lang ist. Immer und wieder kommst du am selben Baum vorbei, immer wieder dieselben Bahn-Markierungen. Du denkst, du wirst verrückt, alles dreht sich immer im Kreis. Sisyphos. Scheiße! Deine Geduld schwindet, dir geht die Puste aus, du siehst den anderen gar nicht mehr sondern willst nur dich selbst retten. Wann ist dieser verdammte Marathon vorbei. Verteidigst dich. Schlägst selbst auch zu. Preemptive war.

Wenn du klein bist, ist alles bunt und groß. Es ist alles so spannend und aufregend, du möchtest lernen, lernen, lernen – und ausprobieren. Dein Leben steht am Anfang, Sterben ist so weit weg. Wenn eine Liebe klein ist, findest du auch alles spannend. Den anderen spannend. Lauter Geheimnisse, die es zu entdecken gilt. Und auch hier möchtest du lernen: viel über den anderen, viel über dich selbst. Der Himmel ist unglaublich blau und unendlich weit. Streckst du deine Arme aus, ist da so unfassbar viel Platz. Alles ist möglich, den Tod gibt es nicht! Jeder Sonnenstrahl ein Streichler, jede Hummel ein Wunder.

Manche Menschen haben ein langes Leben und sterben irgendwann an Altersschwäche. Wenn dein Herz sagt: Okay Boy, komm. Ich hab dich so weit getragen, ich kann jetzt nicht mehr. Tut mir leid. Aber es war doch ganz schön, oder? Manche Menschen sterben jung. Das Herz ist zornig und will noch nicht gehen, aber es muss. Weil da dieses Auto von links kam, das man nicht gesehen hat. Weil der Krebs doch stärker war. Wie viele Lieben sterben an Altersschwäche? Wie viele sterben zu jung? Wenn das Herz eigentlich noch kann, aber der Rest nicht mehr. Liebe allein reicht nicht aus, Liebe allein reicht nicht aus, Liebe allein reicht nicht aus. Das weißt du jetzt. Ein kräftiger Herzschlag allein reicht nicht aus, nicht aus, nicht aus. Du brauchst deine Leber, deine Lunge, dein Gehirn. Die Nieren. So viel mehr. Eine Beziehung ist wie ein Körper, ein komplexes Gebilde. Wenn man an verschiedenen Stellen Teile entfernt, kann es sein, dass der Komplex ausfällt.

Du kannst nicht mehr kämpfen, deine Fäuste trommeln schwach an ihre Brust. Keine Ahnung, wieso sie dich fallengelassen hat, doch zwischen euch ist kein Puls mehr. Du fragst und fragst und fragst, aber es kommt nichts zurück. Keine Hirnaktivität messbar. Deine CPR-Versuche fruchten nicht. Wo war der Moment, als ihr abgestürzt seid? Wo ist der Fehler? Du findest ihn nicht und sie verrät nichts. Herzen zählen runter. Bumm. Wieso schubbst sie dich weg? Du verstehst es nicht. Bumm. Nicht aufgeben! Bumm. Sind ihre Hände auch so kalt? Deine schon. Du spürst deine Füße nicht mehr. Bumm. Du schließt die Augen. Alles zu spät. Alles zu spät. Bumm. Es müsste mal eine Liebe geben, die länger hält als zwei Gin Tonic, denkst du und dann…

Nulllinie.

 


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05:46

Wieder nicht geklappt. 05:46 Uhr und du liegst da und tippst Zeug in Whatsapp, irgendwas von wegen „ist besser so“ und „Ende“, es fällt das Wort Freundschaft und dein Gegenüber geht online, zwei blaue Haken erscheinen, der Online-Status verschwindet wieder, auch egal, auch egal.

Wieder nicht geklappt. Wieder gegen die Wand gefahren – schade, schade! –, aber was soll man denn auch machen. Es sollte nicht sein und auch, wenn du seit dem Herauswachsen aus dem Kindergottesdienst nicht mehr an Gott glaubst und seit deiner Konfirmation auch nicht mehr wirklich an ihn gedacht hast, ergibst du dich dieser großen Unbekannten namens Schicksal oder göttlicher Fügung, wird schon alles richtig so sein, whatever.

Ich meine: Was hättest du auch tun können? Ihr seid geflogen und alles ging gut, aber dann kamen Sturmböen auf und hey, wer fliegt denn bitte schon bei Sturm? Ab 30 Knoten Seitenwind wird nichtmal mehr gestartet und okay, in der Luft sieht das alles etwas besser aus aber eigentlich wart ihr gar nicht in der Luft, also gar nicht so richtig, also bisschen schon aber du magst Sicherheit, du bist so der Sicherheitstyp und lieber etwas vorsichtiger sein, als dann abzustürzen, oder? Fluggastsicherheit geht vor. Wieder nicht geklappt.

Ja, okay, in anderen Bereichen deines Lebens legst du andere Ansprüche an. Wenn du im Büro bei 30 Knoten nicht mehr starten würdest, stündest du vermutlich schon längst in der Pommesbude und würdest alles hassen und ja, du hasst deine Kollegen zwar auch, aber im Büro geht das irgendwie besser – viel besser! – als wenn da plötzlich eine fremde Iris ist, in der man sich spiegelt und du warst eh schon so lange nicht mehr beim Friseur, wie siehst du eigentlich aus, verdammte Axt. Wenn im Job eine Hürde kommt, nimmst du sie, was sollst du auch anderes tun? Das gehört dazu, Hürden und Wachsstumsschmerzen und viel ausprobieren und ja, der erste Versuch war irgendwie nicht die Lösung, also gehst du nochmal einen Schritt zurück, überlegst und versuchst es nochmal. Diese Reibung tut dir gut, dieses daran wachsen, es ist Business und da ist es eben eine „Herausforderung“ und ganz normal. Je mehr dieser Herausforderungen du meisterst, umso größer die Anerkennung der Kolleginnen und Kollegen, der Chef kommt vorbei und klopft dir auf die Schultern, war schon ein harter Kunde oder? Jaja, danke! Nehmen Sie sich doch mal einen Tag frei als Belohnung. Danke, Chef.

Wieder nicht geklappt.

Ich mein, es gibt ja auch keine Alternative, oder? Ohne Beharrlichkeit hätten wir es vermutlich nie aus Höhlen herausgeschafft, wir wären vermutlich schon ausgestorben, da verhungert. Wie, das Mammut wollte sich gar nicht töten lassen? Voll doof, na dann setzen wir uns eben in die Höhle und warten auf Godot auf den Tod. Vielleicht hätte uns die Pest auch dahingerafft, hätten wir das mit der Mammutjagd doch noch zufällig hinbekommen. Forschung? Boah, anstrengend. Ne du, lass mal. Amerika? Nie gehört. Vermutlich würdest du nichtmal laufen, sondern rumkriechen, ich mein hallo, hast du mal gesehen, wie oft ein kleines Kind hinfällt und dann wieder aufstehen muss? Voll der Stress, he. Wieder nicht geklappt. Hat leider wieder nicht geklappt.

Es sind eben alles andere Situationen, das muss der andere doch bitte verstehen, es ist was komplett anderes, wenn da plötzlich ein Gegenüber ist, hallo? Ist alles nicht so einfach. Hier aber willst du, dass alles einfach ist, der Job ist doch schon so anstrengend, jeden Tag Büro, immer dieses Office und in der Kantine schmeckt doch auch alles scheiße und dann muss man in der Mittagspause noch rüber zum Griechen rennen und sich ewig anstellen und dann schmeckt der Tzatziki doch nur pappig. Eine Zumutung, echt. Kann denn nicht einmal irgendwas einfach sein? Deine Oma sagt, in der Liebe gebe es keine Abkürzung, aber muss es denn dann unbedingt Liebe sein? Reicht nicht auch einfach jemand, der im Bett neben einem liegt und Herzschlag und Atmung hat, wenn wieder die Nachtangst kommt, wenn wieder diese Gedanken kommen, wenn du ahnst, dass diese ganze Scheiße keinen Sinn macht, also alles, das Leben, der Job, der Sale im H&M, generell eben. Außerdem weißt du ganz genau, dass es allen so geht, deiner ganzen Generation, dass es keiner hinkriegt und das ist dann doch schon wieder okay, oder? Oder? Wieder nicht geklappt. Wieso keine Abkürzung nehmen, Oma? Du musst schließlich nicht nachts um halb 1 noch dieses verfickte Projekt fertigmachen, weil sonst die Deadline kracht und du dann keinen Tag frei bekommst, sondern viele Tage frei. Viele, viele Tage frei und Alter, du hast echt keinen Bock, mit dir allein zu sein, nur du und deine Gedanken, das hält doch keine Sau aus, dich hält doch keine Sau aus und der andere bestimmt auch nicht, lieber beenden, lieber weg, weg.

Es ist auch so anstrengend. Es ist schön, wenn da jemand ist, klar, aber die Überstunden schlauchen dich und plötzlich ist da eben jener andere Herzschlag, der anders als deiner ist, da sind fremde Hirnströme und Gedanken, die du weder erraten, noch kontrollieren kannst. Das große Unbekannte, ein Wald voller Fragezeichen und fremder Haut, die an der deinen reibt, wenn du dich nachts umdrehst und nach links greifst und eigentlich ist da Leere und plötzlich ist da jemand. Deine Fingerspitzen tasten über warme Hügel und Mulden, du spürst eine Haarlocke, die Matratze bewegt sich und du warst es nicht, dein Fuß stößt an etwas und das ist alles ganz schön krass. Ist das nicht krass, dass da jemand ist? Macht Angst. Alles nicht kontrollierbar, passt alles nicht in ne Powerpoint Präsentation, alles nicht überschaubar.

Wieder nicht geklappt, schade.

Keine Reaktion im Whatsapp und irgendwie hast du ein mulmiges Gefühl, denn ab jetzt bist du ja wieder die ganze Zeit allein mit dir, ich mein genau davor wolltest du dein Gegenüber ja beschützen, davor, allein mit dir zu sein, weil du dich und deine Gedanken selbst nicht aushältst und wirklich, wie soll das jemand anderes tun? Du schwarzes Loch, reißt alles eh nur mit rein und danach kommt das große Nichts, lieber jetzt schon gleich in die Leere schmeißen, kommt doch eh, kommt doch eh alles, du kennst das schon. Erwartungshaltungen, die du nicht erfüllen kannst, Commitment, das du nicht bringen kannst und auch, wenn dir zum ersten Mal etwas nicht scheißegal war seit Jahren, plötzlich war da mal etwas NICHT komplett egal und das macht dir ’ne fucking A N G S T, ist gerade das Grund genug, sich zu verpissen. Zu viel Iris, zu viel Herzschlag, dein Herzschlag fühlt sich sowieso schon ganz anders an und du hast überlegt, mal zum Kardiologen zu gehen, ist doch nicht normal ey, schaust jemanden an und alles kribbelt und kündigen sich so nicht auch Schlaganfälle an? Alles mal durchchecken lassen, man weiß ja nie, du musst fit sein, um zu performen, wie sollst du mit nem Herzinfarkt oder Schlaganfall performen, verdammte Axt? Kalenderwoche 31 rockt sich nicht von selbst und es ist echt alles besser so. Das muss der andere doch verstehen, ist echt besser so. Komm endlich online. Komm endlich online.

06:30, der Wecker geht los, wieder nicht geklappt, schade, echt, aber so ist das eben, kann man nix machen, du wünschtest, du könntest, aber es geht nicht, du kannst es nicht steuern, das ist der einzige Bereich deines Lebens, den du nicht unter Kontrolle hast, also nicht richtig, also holst du dir die Kontrolle zurück, indem du einfach gehst, Selbstermächtigung oder so nennt man das, keine Ahnung, klingt aber ganz gut und besser als kneifen, besser als feige oder ängstlich, es wirkt straight und stark oder so, kein Plan.

06:37, du musst jetzt echt ins Büro und performen, immer performen und bald ist ja auch schon wieder Urlaub, da wird alles etwas besser, immer noch keine Antwort in Whatsapp, auch egal.

Wieder nicht geklappt.

Bedienungsanleitung: Mein ADHS, du und ich

Es hat lange gedauert, bis ich meine ADHS-Diagnose hatte – was daran lag, dass ich mich nie wirklich um eine Diagnose gekümmert habe. Ich dachte mir: Ja gut, dann habe ich es halt, was nutzt mir dieses Wissen. Als der Leidensdruck jedoch (endlich?) zu hoch war, habe ich es dann doch mal durchgezogen (ich und Dinge durchziehen, ha!). Retrospektiv sind mir (und meinem Heer an Therapeuten, Psychiatern, Neurologen, bla) viele Dinge an mir aufgefallen, die zB Dating/Beziehung mit mir zu einem ganz… besonderen Erlebnis machen. Komischerweise krieg ich diese Sachen im beruflichen Kontext in der Regel hin, nur privat treibt das alles bei mir dann chaotische Blüten. Vielleicht, weil meine Coping-Energie dann vom Job aufgebraucht ist und für Privatkram wenig übrig bleibt… Ich weiß es nicht. So oder so: Deshalb liste ich hier mal auf, wie es so ist, mich zu daten (im Ernst: Rennt! Tut! Es! Nicht!):

Ich werde auf jeden Fall zu spät kommen

Es tut mir so krass leid, im Ernst. Ich weiß, du stehst seit 10 Minuten bei -5 Grad vor der Bar und ich fühle mich wie Hitler, aber gerade, als ich los wollte, habe ich mein Portemonnaie nicht gefunden, als ich es dann hatte, musste ich nen Abstecher bei der Bank machen, weil kein Bargeld dabei und naja… Ich versuch es wirklich, hinzukriegen. Bis ich das geschafft habe, komm einfach 10 Minuten später zu unseren Verabredungen, ok?

Bitte geh mit mir nicht ins Kino

Wenn es hoch kommt, bin ich vielleicht 1-2 Mal im Jahr im Kino… es gibt auch Jahre, da sitze ich kein einziges Mal im Lichtspielhaus. Es liegt nicht daran, dass ich Filme nicht mag! Ich liebe Filme, aber die Vorstellung, über zwei Stunden (in Worten: ZWEI!!!! STUNDEN!!!!!) im Dunkeln stillsitzen und der Handlung folgen zu müssen, macht mir schon von vorn herein schweißnasse Hände vor Panik. Es geht nicht. Es geht einfach nicht. Ich werde zappelig und nach einer Stunde kann ich dem Film eh kaum noch folgen, weil ich nur noch raus will, weil ich will, dass er ENDLICH vorbei ist und ich meine Gefangenschaft (ich fühle mich wirklich gefangen!) los bin. Weil ich mich bewegen muss. Ich winde mich im Kinositz, als sei da Strom drauf und du wirst krass genervt sein. Dasselbe gilt übrigens für einen „gemütlichen Filmabend“. Ich werde 50 Mal aufstehen: Erst auf’s Klo, dann noch was zu Trinken, dann hole ich uns Eis, dann bringe ich die Schüsseln weg, dann wieder Toilette und ich weiß, dass es dir krass viel bedeutet, dass du mir gerade deinen Lieblingsfilm zeigst und mir ist das wichtig, ich kann aber einfach nicht stillsitzen. I’m sorry.

Ich kann mir nichts merken und werde dich alles mindestens zwei Mal fragen

Ich finde es richtig spannend, wenn du mir von deiner Kindheit in Brüssel erzählst und ich freue mich, dass du dich so öffnest und mir eine halbe Stunde davon berichtest. Bitte denke deshalb nicht, ich hätte nicht zugehört oder du seist mir nicht wichtig, wenn ich dich beim nächsten Treffen frage, wo du eigentlich geboren bist. Ich versuche mir seit fast einem Jahr zu merken, wie der Hund der Eltern meines Exfreundes heißt und er hat es mir locker schon 50 Mal erzählt (ohne Witz) und manchmal schaffe ich es, den Namen 7 Tage zu behalten, dann ist alles wieder weg. Er heißt bei mir einfach nur „der kleine schwarze Hund“ und wie schon so oft gesagt: I’m sorry, but I DO care. Ich bring auch gern meine Termine durcheinander, bin super vergesslich und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich etwas Last Minute absagen muss, da ich mal wieder irgendwas MEGA WICHTIGES verpeilt habe.

Ich kann mich nicht entscheiden

Du fragst mich, wo ich Essen möchte, beim Italiener oder sollen wir doch was bestellen oder wie wäre es mit Indisch? Je mehr zu vorschlägst, umso enger wird meine Kehle und meine Handflächen werden wieder feucht. Ich kann mich nicht entscheiden und je mehr Entscheidungsmöglichkeiten ich habe, umso mehr versagt mein System. Im Ikea fahre ich regelmäßig runter, ich weiß nicht, welche Kissenbezüge ich besser finde und ob ich Emaille- oder Keramiktassen will und dann bleibe ich stehen, ich kann nicht mehr weiterlaufen, weil ich Panik habe, weil mein Körper nicht mehr funktioniert und dann muss man mich erst einmal 2 Minuten fest zusammendrücken und dann einfach Entscheidungen für mich treffen, weil bei mir nichts mehr geht. Zwei Auswahlmöglichkeiten kriege ich noch gut hin, auch drei, ab vier wird alles wahllos und ab 6 oder 7 bin ich komplett raus. Was gut geht: Ja/Nein. Eins nach dem anderen. „Willst du Pizza essen.“ – „Nein.“ – „Willst du indisch essen?“ – „Okay.“ Ist übrigens alles tagesformabhängig. Manchmal treffe ich 20 Entscheidungen wie am Fließband und dann wieder überfordert mich die Fülle an Möglichkeiten so sehr, dass ich nicht einmal aus dem Bett aufstehen kann, weil ich nicht weiß, wofür jetzt genau, A oder B oder C?

Ich bin ungeduldig und impulsiv

Eines der Hauptsymptome bei ADHS ist die Impulsivität. Da ich auch noch hochbegabt bin (nein, keine Angeberei und in der Schule ist man immer die, die auf die Fresse bekommt, glaubt mir), prozessiere ich Dinge sehr, sehr schnell. Wenn du mir etwas erzählst, versuche ich ganz doll, mich zusammenzureißen, obwohl ich weiß, wie der Satz weitergeht und impulsiv direkt darauf Bezug nehmen und antworten will. Ich unterbreche Menschen zwar nicht mehr so oft wie früher (jahrelanges Training), dennoch passiert es aber immer noch und ich weiß, es nervt total. Bitte sei mir nicht böse deshalb, es ist nicht so, als interessiere mich nicht, was du sagst. Mein Gehirn ist nur einfach zu schnell und meine Impulsivität trägt den Rest dazu bei. Generell passiert es oft, dass ich erst spreche und DANN nochmal darüber nachdenke. Kann manchmal ganz schön scheiße sein, für alle Beteiligten.

Ich springe zwischen Themen hin und her

Wenn ich etwas erzähle, ist es manchmal schwer, mir zu folgen. Ich springe durch die Themen und will dich mitnehmen, nehme dich an die Hand aber manchmal sind die Sprünge zu groß. Oder ich erzähle eine Geschichte und komme einfach nicht zum Punkt, weil mir dazwischen noch etwas einfällt, und noch etwas, und noch etwas… Das kann nerven und ist auch in anderen Bereichen ein Thema, bei Streits zum Beispiel. Der Streit ist ausgetragen und beigelegt und du bist aber immer noch etwas mitgenommen davon? Verstehe ich nicht. Sobald da ein Haken dran ist, gehe ich zum nächsten Thema über und bin verwirrt, wenn jemand noch etwas länger daran kaut. Manchmal denkt man dann, es wäre mir nicht wichtig und würde mich nicht interessieren, das ist aber nicht so. Mein Gehirn ist einfach nur zu schnell und geht dann einfach zum nächsten Thema über. Sorry.

Konzentration ist mein härtester Struggle

Konzentration ist ein riesen Thema in meinem Leben, beziehungsweise der Mangel an ihr. Ich habe mittlerweile viele Mechanismen entwickelt, mich abzuschotten und wenigstens ein BISSCHEN fokussieren zu können. Dennoch fällt es mir schwer, deiner Geschichte im Café zu folgen, wenn neben mir ein Baby weint, die Kellnerin etwas grell Rotes anhat oder der Sitznachbar so unfassbar nervig kaut. Ich versuche wirklich, zuzuhören, aber es ist für mich schwerer als für andere Menschen. Bei Gehirntests war mein Reaktionsvermögen so scheiße und die Ablenkbarkeit so hoch, dass die Ärzte sofort verstanden, wieso ich bislang keinen Führerschein machen möchte. Mit Medis soll das jetzt etwas besser werden, schauen wir mal. Achso, und noch etwas: Wenn ich versuche, mich zu konzentrieren und man mich wiederholt dabei stört, kann es sein, dass ich hochgehe. Das ist auch wieder das Impulsivitätsding. Ich sag dann zwar direkt „Entschuldigung“, dennoch ist es nicht die feine Art. Ich habe meist eine lang verzögerte Rotphase und mehr Geduld als früher, aber wenn rot ist, dann so richtig BLUTrot.

Ich fühle sehr viel und alles auf einmal

Gefühle sind auch ein kleines Minenfeld für mich. Ich bin schnell super mega krass begeistert und richte meinen Scheinwerfer dann VOLL auf diese eine Sache. Lenkt man mich ab, ist der Scheinwerfer jedoch schnell weg und auf einer anderen Sache. Meine Neurologin sagt, ich bin nicht Stereo sondern habe nur einen Kanal. Ich kann nicht A und B sondern nur entweder A, ODER B. Wenn ich etwas für dich empfinde, dann kann es sein, dass du mich schnell überwältigst. Überhaupt hat viel in meinem Leben mit Überwältigung zu tun, das kann schön, aber auch ganz, ganz schrecklich sein. Das kann aber auch dazu führen, dass ich sehr, sehr intensiv bin. Für manche auch zu intensiv, manchmal bin ich wie so eine Welle, die über dich rollt und du weißt nicht mehr, wo oben oder unten ist. Wenn mich das alles zu sehr überwältigt, kann es sein, dass mich das zu schnell müde macht, weshalb ich mich dann plötzlich zurückziehe und abtauche. Keine Sorge, ich komme wieder. Brauch nur ein Päuschen. Oh, und: Weil ich so viel und chaotisch fühle, muss man mich öfter an bestimmte Dinge erinnern. Ich mein ja, du hast gesagt, dass du mich magst. Aber das ist irgendwie jetzt auch schon 2 Wochen her und wer weiß, ob es heute noch stimmt? Bitte erinnere mich öfter daran, dass zwischen uns alles okay ist.

Ich bin ein farbenfrohes Feuerwerk

…doch wie sagt man so schön: Es ist nicht alles schlecht. Menschen mit ADHS tendieren – vor allem gepaart mit einer Hochbegabung – dazu, besonders kreativ, smart und mitreißend zu sein. Dass mein Gehirn schnell ist, macht mich schlagfertig und clever, manche sagen, ich könne zwischen all dem Chaos auch richtig charmant sein. Ich bin zwar oft überfordert, dennoch empathisch und kann mich gut auf deine Gefühle einstellen. Meine Wohnung ist chaotisch, trotzdem findest du überall Kunst und lauter Zeug, das du hoffentlich interessant findest. Von daher: Nicht gleich wegrennen, wenn ich 10 Minuten zu spät zur Verabredung komme. Könnte sich dann doch irgendwie lohnen.

#G20HH2017 – Willkommen in der Hölle

Seit Donnerstag bin ich im konstanten Wut-Modus. Ich schimpfe auf Twitter, ich habe meinem Ärger auf Facebook Luft gemacht – mit vielen Schimpfworten, pardon! – und auch mein Umfeld nerve ich mit all diesen Sachen. Damit ich mal ein bisschen Ruhe in meinen Kopf kriege, sortiere ich mal all das, was in Hamburg gerade passiert, für mich in einem längeren Text. Fangen wir mal von vorne an, als alles noch okay war.

Lieber tanz‘ ich als G20

„Welcome to hell“, das war der Titel der großen Demonstration, die Donnerstag gegen den G20-Gipfel mobil machen sollte. Bis dahin lief der Protest schon zwei Tage und auch, wenn ich das erste Mal in den letzten fünf Jahren bei solchen Demos und Aktionen leider nicht dabei sein konnte, sah ich doch, wie farbenfroh, kreativ und mutig diese Aktionen waren – zum Beispiel bei meinem Ex-Kollegen Christian, der das alles fotografisch festgehalten hat.

(c) Chris Zielecki (c) Chris Zielecki

Das waren die Proteste der Mehrheit und ich habe mich sehr gefreut, sowas zu sehen. Ich dachte: Yeah! Und: Scheiße, dass ich nicht dabei bin. Denn: Grund zum protestieren gibt es genug. Immer mehr Menschen auf der Welt werden abgehängt, ausgeschlossen, vergessen – und nicht nur in der sogenannten „Dritten Welt“, sondern auch in unseren Industrienationen. Die Leute sind verunsichert, was sich in den letzten Monaten und Jahren auch an den Wahlergebnissen zeigt: Die Sehnsucht nach „starker Führung“ wird immer größer, radikale und vor allem rechte Parteien sind auf dem Vormarsch. Es herrscht eine große Verunsicherung, da die Politik immer weiter weg erscheint. Da ist der G20-Gipfel ja eigentlich ein guter Moment, um als Bürger auf diese Themen aufmerksam zu machen, um Unmut auszudrücken, sich zu positionieren, den Staatschefs die großen Fragen ins Gesicht zu halten, sodass sie nicht weggucken können.

Und auf 50 und 60 Demonstrationen und Aktionen hat das ganz wunderbar geklappt! Der Protest war kreativ und wunderschön, es herrschte große Solidarität – bis zur großen Demo. Was seitdem passiert ist, ist alles so verknotet, dass ich das für mich etwas besser ordnen möchte. Dabei will ich meine Gedanken zu den einzelnen Akteuren geordnet mitteilen, weshalb ich sie im folgenden Text voneinander abtrenne, auch, wenn sie sich gegenseitig dynamisch aufeinander beziehen und einander bedingen.

Die Politik

Fangen wir mal beim Auseinanderklamüsern (was ein Wort! <3) mit denen an, die das Ganze angeleiert haben. Sobald bekannt wurde, dass der G20-Gipfel in Hamburg stattfinden solle, formierte sich eine Gegenöffentlichkeit. Kurz gesagt: Niemand hatte da Bock drauf. Wirklich niemand. Weil jeder wusste, dass das für alle Beteiligten ein absoluter Albtraum werden würde. Hamburgs Schanze ist ein Herzstück der linksautonomen Szene, die Rote Flora ihr Hauptquartier. Man ist da ja einiges gewohnt, auch ich habe meine Wohnung dort in der Ecke. Mai-Proteste, dies-Proteste, das-Proteste, alter Hut. Und gerade deshalb waren alle so verwundert, dass jemand wirklich auf die Idee kommen würde, dort dieses Treffen abzuhalten, das für die autonome Szene ja das Sinnbild dessen ist, gegen das sie ankämpfen.

Realitätsferne, die Vergleichbares sucht

Weder die Polizei hatte da Bock drauf – denen war klar, wie es enden würde – noch die Anwohner dort. Wirklich JEDEM war klar, was passieren würde, und jeder hat es gesagt. Man munkelt, Angela Merkel wolle das Treffen dort stattfinden lassen, um gute Bilder für den Wahlkampf zu bekommen. Die Bilder hat sie jetzt – ob sie das sind, was sie wollte, ist ihr Bier.

Und auch Olaf Scholz sah das alles sehr entspannt. Dem Hamburger Abendblatt gegenüber sagte er dazu:

Ich gehe zudem davon aus, dass die Bewohner dieser Stadt nur geringe Beeinträchtigungen in Kauf nehmen müssen. (…) Alle Anwohner werden nach Hause kommen, und die meisten werden sich in diesen Bereichen frei bewegen können.

Die größte Frage, die sich bei mir aufgedrängt hat, war: Wie weit muss man sich eigentlich von seinem Volk, das man regiert, entfernt haben, um so eine Aussage zu treffen? Wie wenig Ahnung hat Olaf Scholz eigentlich von den Bewohnern und Dynamiken der Stadt, der er als Oberbürgermeister vorsteht? In welchem Hamburg lebt er, dass er das nicht hat kommen sehen? Und in welchem Deutschland lebt Angela Merkel, dass sie absolut keine Ahnung hat, was für eine Büchse der Pandora sie da öffnet?

Aufwind für Politiker, die mehr Überwachung fordern

Von linker wie von rechter Seite wird den Politikern vorgeworfen, wie realitätsfern sie seien, dass sie nicht mehr mitkriegen, was „das Volk“ eigentlich so mache. Nach dieser Aktion kann man sagen: Jupp. Da kann man nur vollumfänglich zustimmen. Was unsere Politiker unserer Stadt mit dem G20-Gipfel zugemutet haben, ist ein Skandal. Hauptsache, man kann schön ’ne Hafenrundfahrt machen und dann ein bisschen Musik in der Elbphilharmonie hören.

Wir haben momentan so viele Probleme mit Menschen, die der Politik nicht mehr vertrauen. Radikale Rattenfänger umschmeicheln verunsicherte Bürgerinnen und Bürger und versuchen, sie zum rechten Rand rüberzuziehen. Und mit so einer Aktion wurde denen wieder Munition gegeben.

Hamburg wurde einfach geopfert. Wer den Kopf für sowas hingehalten hat sind wir Bürger und unser Zuhause. Wer den Schaden hat? Unsere Gesellschaft. Politiker, die für mehr Überwachung werben wollen, werden nun wieder breitere Rückendeckung in der Bevölkerung erfahren. Unsere Bürgerrechte sind wieder stärker in Gefahr. Unser Rechtsstaat kippelt immer mehr, das Vertrauen in „die da oben“ wird immer mehr zurückgehen. Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen wird wieder größer, Populisten, vor allem von rechts, haben leichteres Spiel.

Wer will auch mit nem Kapitän mitfahren, der einen auf hoher See in einen Sturm lotst, obwohl es auch hunderte andere und sichere Routen gäbe, und sagt „mal gucken, was passiert, wird schon schiefgehen!“? Und der Kapitän ist nicht einmal mit an Bord, nein. Der sitzt am Hafen und steuert das alles per Remote.

Der schwarze Block

Diese Seite hat mir gestern wirklich die Galle hochgehen lassen. Mich ausrasten lassen. Um das zu verstehen, möchte ich hier jetzt erst einmal ein paar Eindrücke dessen einbringen, was der schwarze Block in den letzten Tagen so getan hat:


https://www.youtube.com/watch?v=6k4QUPsGi_8

Kurz und knapp: Ihr dummen Arschlöcher. Ich war noch auf keiner Demo, die nicht komplett im Arsch war, sobald der schwarze Block auftauchte. Wenn ich kassiert habe, dann immer von diesen Idioten, die einfach nur prügeln und zerstören wollen – ohne Rücksicht auf Verluste. Was die Polizei durch diese Menschen durchmachen muss, ist unfassbar. Vermummte werfen riesige Steine in die Menge – ohne Rücksicht auf Verluste. Schwere Verletzungen bis zum Tod von Polizisten und Demonstranten werden billigend in Kauf genommen.

Hier sei gesagt, dass nicht geringe Teile dieser asozialen Kriminellen aus dem Ausland angereist sind. Mehrere Anwohner berichten – zum Beispiel bei N24 im Livestream – dass die Leute, die da Autos anzünden und Co., kein Deutsch sprechen. Das ist reiner Krawalltourismus, das ist Lust auf Zerstörung. Sie reisen mit Zug und Fahrgemeinschaften an, um Stress zu machen. Die eigenen Autos stellen sie natürlich in sicherer Entfernung ab, um fremde Autos anzuzünden.

Die Welt schreibt hierzu:

In Hamburg hat die Polizei bei gewaltsamen Ausschreitungen rund um den G-20-Gipfel am Donnerstag mehrere militante Linksextremisten aus dem europäischen Ausland festgenommen. Das berichtet die WELT. Die Personen stammen demnach aus Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz.

Zahlreiche polizeibekannte Linksextreme und Autonome wurden laut WELT in den vergangenen Tagen bereits an der Grenze zurückgewiesen. Darunter vor allem Extremisten aus Italien, die mit einem Sonderzug aus der Schweiz nach Hamburg reisen wollten. Zwei Linksextremisten wurden zudem am Hamburger Flughafen an der Einreise gehindert.

Nach WELT-Informationen geht der Verfassungsschutz davon aus, dass bereits in den Tagen vor dem G-20-Gipfel mehrere Gruppen an gewaltorientierten Linksextremisten und Autonomen nach Hamburg heimlich gereist sind. Die Personen sollen dabei gezielt Grenzkontrollen umgangen haben.

Das ist nichts anderes als eine Terrorisierung der Bevölkerung. Das hat nichts mit politischen Anliegen zu tun. Ihr kämpft nicht gegen den Kapitalismus oder gegen den Welthunger, indem ihr kleine klapprige Fiat Puntos von Pflegekräften und Kassiererinnen anzündet.

Mal direkt an euch adressiert:

Dass ne Mutter oder ein Vater die kleinen Kids jetzt nicht mehr in die drölfzig Trillionen Kilometer entfernte KiTa fahren kann, ist keine Errungenschaft und wird den Kapitalismus nicht abschaffen. Ihr dummen Wichser (sorry an die Leser!) hinter den Masken macht einfach alles kaputt. Ihr macht unsere Stadt kaputt, ihr macht unseren Protest kaputt.

Mit euch kann ne Demo keine 2 Meter laufen, ohne, dass es eskaliert. Mit euch können wir keinen einzigen Punkt machen, unser Versammlungsrecht nicht nutzen, nichts. Wochenlange Vorbereitung zerstört ihr in einem Steinwurf. Wie sollen wir in der Gesellschaft eine breite Solidarität für antikapitalistische und soziale Themen erreichen, wenn ihr ihre Autos ansteckt und Spielplätze zerstört? Wenn sich keiner mehr aus den Häusern traut?

Über soziale Medien habt ihr gestern nach ausgebildeten Sanitätern und Ärzten gerufen, die euren Verwundeten helfen. Die von der massiven Polizeigewalt platt gemacht wurden, auf die ich gleich noch zu sprechen komme. Denkt ihr, der Pfleger oder die Ärztin, dessen Karre ihr gerade angezündet habt, wird kommen und euch helfen? Das glaubt ihr doch wohl nicht im Ernst.

Solche Aktionen spalten unsere sowieso schon wackelige Gesellschaft ungemein. Ein Kernthema der linkspolitischen Einstellung ist Soliarität – und diese zerstört ihr Krawalltouristen one burning car at a time.

Ihr seid unpolitisch

Euer Protest ist zutiefst unpolitisch. Ihr protestiert weder für, noch gegen was. Ihr wollt Autos anzünden, Läden plündern. Ihr wollt Menschen verletzen, den „Bullen“ mal so richtig eine mitgeben. Ihr beschießt sie mit Stahlkugeln aus Zwillen und spielt Krieg. Ihr stellt Fallen und ich wette, es gibt Leute bei euch, die hoffen, dass ein Polizist stirbt, damit ihr es denen mal so richtig gezeigt habt.

Ihr verdient keine Solidarität. Euch will hier keiner. Ihr seid ein Teil der Krankheit, die unsere Gesellschaft kaputt macht. Ihr seid auch der Teil, der die antifaschistische Bewegung in den Dreck zieht. Ich kenne Leute, die beim schwarzen Block mitlaufen und sich in der AntiFa engagieren, die einfach nur entsetzt sind. Die jetzt am Arsch sind, weil es eben auch innerhalb der extrem linken Szene verschiedene Strömungen gibt, jetzt aber wieder alle denken: ALLE Linken zünden Autos an.

Ich hab keine Ahnung, was ihr für Menschen seid. Was ihr sonst so in eurem Alltag macht. Ob ihr am Wochenende in Hamburg Autos und Gärten anzündet und Montag wieder in nem Startup sitzt und programmiert. Kommt ihr dann nach Hause (das vermutlich niemand angezündet hat), zieht die durch den Wasserwerfer vollbespritzten Sachen aus, geht unter die Dusche (sind Nebenkosten antikapitalistisch?) und legt euch dann zufrieden ins Bett? Ist es ein gutes Gefühl, den Besitz eines Menschen zerstört zu haben, den man nicht kennt und über dessen Geschichte man nichts weiß? Wo man keine Ahnung hat, wielang die Person auf dieses dringend notwendige kleine Auto gespart hat, dessen Wert sie vermutlich nicht erstattet bekommt? Steht ihr morgens auf und esst antikapitalistisches Biomüsli? Haut ihr Polizisten eine auf’s Maul und streichelt mit derselben Hand euren Partner oder eure Partnerin? Plündert ihr Supermärkte und zerstört Nahrungsmittel gegen den Welthunger (lol!) und kauft dann ne Woche später im reparierten Supermarkt wieder Coca Cola?

Was ihr da getan habt, hat nichts mit G20 zu tun. Es ist keine Auseinandersetzung mit politischen Positionen. Denkt ihr, die Staatsoberhäupter interessieren brennende Autos? Denkt ihr, da kommt irgendeine „Message“ an? Was ist eure Message eigentlich, außer „Benzin brennt gut“? Ihr habt nichts erreicht außer den Umstand, dass nun die Otto-Normal-Bevölkerung jetzt doch wieder bisschen mehr Bock auf Überwachung und Bürgerwehr hat. Ihr erreicht genau das Gegenteil dessen, was ihr ANGEBLICH (haha!) erreichen wollt.

Ihr widert mich an.

Linksextremismus ≠ Rechtsextremismus

Und dennoch möchte ich hier vor einer Sache warnen. Ich habe viele Postings und Tweets gelesen, in denen Linksextremismus mit Rechtsextremismus gleichgesetzt wird. Auch, wenn Gewalt immer die Antwort der Dummen ist und es nem Polizisten erstmal egal ist, ob man von nem Linksextremen oder nem Rechtsextremen nen Pflasterstein in die Fresse bekommt, kann man diese beiden Arten nicht gleichsetzen. Dafür muss man mal kurz vom brennenden Flüchtlingsheim und den brennenden Autos rauszoomen und sich ein bisschen auf die Metaebene begeben, denn der Knackpunkt, der hier wichtig ist, ist das dahinterstehende Weltbild.

Die Linksextremen wollen den Kapitalismus abschaffen. Das ist ein Konzept, ein Weltentwurf, den sie loswerden wollen. Man kann jetzt dazu stehen wie man will, aber das ist das Grundanliegen, um das es dabei geht. Wie sie das letztlich umsetzen, sei mal dahingestellt, da habe ich mich weiter oben schon ausgelassen.

Rechtsextreme jedoch wollen einzelne Menschen (!) abschaffen und von der Erdoberfläche tilgen. Das Konzept und der Weltentwurf lautet in etwa: Ausländer raus und Arier rein. Während die Linksextremen solche Szenen wie oben dann als „Kollateralschaden“ beim Durchsetzen ihrer Idee sehen, sind bei den Rechtsextremen solche Kollateralschäden die Idee an sich. Die Ideologie ist zutiefst menschenfeindlich. Und auch wenn bei ner Nazidemo vielleicht mal nichts passiert, denkt immer daran: Sie demonstrieren dafür, dass Mitbürger mit Migrationshintergrund aus dem Land geschickt werden, sie demonstrieren dafür, bestimmte Menschengruppen tätlich anzugreifen, sie demonstrieren dafür, Homosexuelle ins Gefängnis zu stecken und weiten Teilen der Bevölkerung Grundrechte zu entziehen.

Bitte lasst euch also nicht dazu hinreißen, da irgendwelche Verallgemeinerungen zu treffen. Auch, wenn die Auswirkungen auf der Straße auf den ersten Blick ähnlich erscheinen, linker Terror ≠ rechter Terror, einfach wegen der Ideologie, die dahinter steht.

Die Polizei

In all den Jahren, in denen Hamburg mein Zuhause war und ist, habe ich noch nie einen Großeinsatz der Polizei bei einer Demonstration erlebt, der nicht komplett eskaliert ist. Ich habe noch nie einen Einsatz erlebt, auf dem es nicht auch auf der Seite der Polizei zu einem regelrechten Gewaltrausch gekommen ist, woran der berühmt-berüchtigte Einsatzleiter Hartmut Dudde maßgeblich beteiligt ist.

(c) Moritz Stetter

Dudde ist der Mann, der den Begriff „Hamburger Linie“ für ein maximal gewaltsames und gnadenloses Vorgehen gegen Demonstranten geprägt hat. Ein Beispiel: Im Februar 2015 fand eine NPD-Kundgebung statt. Sie verlief kind of okay und wurde von vielen, friedlichen (!) Gegenprotesten begleitet. Dudde befahl dann aus absolut nicht nachvollziehbaren Gründen, den Lautsprecherwagen der NPD mitten durch die noch laufenden friedlichen Proteste und Kundgebungen zu leiten, obwohl etliche andere Wege frei gewesen wären. Platt gesagt: Die hätten einfach durch eine Seitenstraße davonfahren können – aber nicht mit Dudde! Da muss man natürlich mitten durch ne Demo fahren. Was folgte war natürlich Chaos und Gewalt, sodass der Chef der Hamburger Bereitschaftspolizei und sein Stellvertreter von ihren Posten zurücktraten und um Versetzung baten, weil sie mit so einem maximaleskalierendem Kurs nicht klarkamen.

Anderes Beispiel: 2007 wurde eine Demonstration einfach eingekesselt und vorzeitig beendet, obwohl sie genehmigt war und nicht eskaliert ist. Hinterher hat das Verwaltungsgericht die Entscheidung kassiert und als rechtswidrig verurteilt. Und Dudde hat Demos schon gewaltsam auflösen lassen, weil die Transparente länger als 1,50m waren – fand er halt zu lang.

Die Polizei hat das institutionalisierte Gewaltmonopol

Gewalt ist, wie gesagt, die Antwort der Dummen. Und erst einmal wirkt es irgendwie egal, ob jetzt ein Linker einen Pflasterstein wirft oder ein Polizist auf so einen Menschen dann mit dem Knüppel draufgeht. Das Resultat ist in beiden Fällen: Ein Mensch wird verletzt.

Dennoch tut sich hier ein gravierender Unterschied auf. Die polizeiliche Gewalt ist institutionalisiert und durch den Staat abgedeckt, erwünscht, empowert. Der knüppelnde Polizist hat im ersten Moment den Staat im Rücken und die Polizisten haben die krassen Waffen. Bei staatlicher Gewalt ist deshalb das Prinzip der Verhältnismäßigkeit oberstes Gebot und hier geht es eben nicht um Auge um Auge.

Auch, wenn hinter so einer Polizei-Sturmmaske ein Mensch steckt und ich mir nicht vorstellen kann, wie es ist, wenn ein prügelnder schwarzer Mob auf mich zurennt und ich einfach nur Angst habe, muss man hier andere Maßstäbe anwenden. Der Polizist repräsentiert den Staat und auch in so einem Moment nicht sich selbst als Individuum, auch, wenn er zu jeder Zeit eines ist und eigentlich auch genau so behandelt werden sollte von der Gegenseite. Trotzdem: Er wird auch nicht als Hans-Peter angegriffen, sondern als Staatsorgan. Die Wut der Randalierer richtet sich nicht gegen die Person, sondern gegen den Staat, den diese Person repräsentiert, und gegen die „Klasse“ Polizei an sich. Hilft dem angegriffenen Polizisten da erst einmal nicht konkret, ist aber wichtig für das, was als Reaktion folgt und für unseren Diskurs.

Bei Polizeihandlungen werden weitaus härtere und rationalere Maßstäbe angelegt als bei denen von Kriminellen (eben, weil sie kriminiell sind), und das zurecht. Schließlich kann ein Polizist bei Ermittlungen zum Beispiel nicht einfach jemanden abknallen, nur, weil der Täter auch jemanden umgebracht hat. Gewaltanwendung ist nur im äußersten Notfall legitim, zum Beispiel, wenn eine Gefahr für Leib und Leben besteht. Polizisten sind darauf trainiert und diese Souveränität unterscheidet den Staatsdiener von der Privatperson. Wie las ich so schön auf Twitter: „Die Vorstellung, eine Hirnchirurgin eskaliert mitten in der OP durch, weil sie die Verantwortung und die Situation überfordert, wäre bizarr.“

Und wegen all dieser Dinge, wegen der diametralen Machtverschiebung und dem Unterschied in Waffen- und Schutzausrüstung muss man die Szenen, die sich in Hamburg abgespielt haben, ganz besonders scharf kritisieren und verurteilen.

Demo-Camp Entenwerder

Gleich vorweg: Ich habe das Gefühl und die Überzeugung, dass eine Eskalation von der Polizei-Seite aus durchaus erwünscht war, und zwar von Anfang an. Das sah man auch an den massiven Versammlungsverboten, die vorab beschlossen wurden. Ich glaube auch, dass sie der Demo gar keine richtige Chance geben wollten. Normalerweise wird man im Vorfeld so einer Demonstration mit Auflagen zugeschmissen, dieses Mal war er vorab seltsam ruhig. Ein bisschen „vermummt euch nicht“ und das war’s. Wieso auch, wenn man die Demo gar nicht laufen lassen will?

Schon im Vorfeld des Treffens sah man die Polizeistrategie durchblitzen. Vielleicht dachten sie sich: Naja, wenn wir die Leute nicht übernachten lassen, reisen nicht so viele Radikale an. Die Idee dahinter mag vielleicht okay sein, also gewaltbereite Kriminelle auszuschließen. Dennoch kann man solche Maßnahmen nicht einfach durchziehen, da man damit die Leute, die einfach friedlich protestieren wollten, einfach mit einkassiert. Aber einem Dudde ist sowas egal.

Das Protest-Camp in Entenwerder war eine erlaubte Veranstaltung. Das Oberverwaltungsgericht hat auch das Übernachtungsverbot gekippt, sodass dem friedlichen Campen Mittwoch nichts mehr im Wege stand. Dennoch räumte die Polizei das Camp auf eigene Faust unter Einsatz von Tränengas und Gewalt. Als Resultat gab es mehrere Verletzte und einen weiteren Riss im Gefüge unseres Rechtsstaates – umso mehr, als dass der Einsatz hinterher vom Gericht als rechtmäßig erklärt wurde. Das Signal: Gerichtsbeschlüsse zählen nichts, vielleicht seid ihr 2 Minuten auf der Seite des Rechts, aber das muss nicht so bleiben – wir gehen unrechtmäßig vor und können uns das hinterher einfach absegnen lassen.

Die Demonstration am Donnerstag

Ich habe die Demonstration am Donnerstag über verschiedene Livestreams aus verschiedenen Perspektiven live verfolgt. Einige Medienvertreter waren mitten in der Menge und haben gestreamt, manche waren an der Spitze des Zuges, manche filmten von oben, sodass man die „Frontlinie“ zwischen Polizei und Demo sah.

Die Polizei ließ die Demo nicht loslaufen und bestand darauf, dass Vermummungen abgelegt würden. Der Großteil des schwarzen Blocks folgt dieser Anweisung überraschenderweise – das hätte ich nicht erwartet. Dennoch blieben noch ein paar einzelne Personen vermummt, für die Polizei Grund genug, die Demo nicht laufen zu lassen. So standen sich beide Parteien eine Weile gegenüber, bis die Polizei auf einmal losstürmte.

Hier unterscheiden sich jetzt die Berichte. Einige sprechen von einem Flaschenwurf, manche sagen, ein gezündeter Böller sei der Grund, andere wiederum nehmen einen Steinwurf als Auslöser. So oder so möchte ich hier den Finger noch einmal auf den Punkt mit der Verhältnismäßigkeit halten. Ist es verhältnismäßig, einen massiven Angriff auf eine Menge friedlicher und unschuldiger Demonstranten auszuführen, wenn ein oder zwei Einzelpersonen einen Stein werfen? Ich möchte hiermit keine linke Gewalt schönreden, nur habe ich mich dem Thema oben schon gewidmet und lege den Fokus hier nur auf die Polizei-Seite. Ist es noch verhältnismäßig und rechtsstaatlich abgedeckt, maximal-gewaltsam auf Menschen loszugehen, weil sie ihre Gesichter immer noch verhüllt haben? Ist die angemessene Reaktion auf Verschleierung, einem anderen Körper Schaden und Schmerzen zuzufügen?

Ich habe über die nächsten Stunden verstörende Bilder gesehen. Ich habe Linksextreme gesehen, die Polizisten massiv angegriffen haben. Ich habe gesehen, wie Steine blind in Mengen geworfen wurden, wo sie auf Polizistenuniformen trafen, aber auch ungeschützte Demonstranten erwischten. Aber ich habe auch solche Szenen gesehen:


Ich bin mir sehr sicher, dass wir im Laufe dieses Wochenendes und der nächsten Woche, wenn die ganzen Videoaufnahmen ausgewertet worden sind, noch mehr dieser Bilder sehen werden. Die Polizei Hamburg bat auf ihrem Twitter-Account immer, sich von Gewalttätern zu distanzieren. Doch man sieht in Videos immer wieder, wie Menschen, die versuchten zu erklären, dass sie nicht zum Block gehörten und da nur reingeraten sind und nicht mehr rauskommen, einfach einen Quarzhandschuh ins Gesicht bekamen. Die Polizei schoss mit dem Wasserwerfer auf Autonome, die ein Baugerüst emporgeklettert sind. Dass da jemand herunterfällt und stirbt wurde dann doch zumindest billigend in Kauf genommen, oder nicht? Der Wasserstrahl hätte jemanden wegpusten können, es hätte jemand auf dem nassen und glatten Gerüst ausrutschen können. Klar, die sind selber da hoch geklettert. Darf der Staat dann aber dennoch ALLE Maßnahmen ergreifen, sie da hinunterzukriegen – dead or alive?

Und ich frage mich noch eine Sache: Während man sieht, wie die Polizei massiv in den Demonstrationszug reingeht und losprügelt, wundere ich mich, wie diese riesigen Horden des schwarzen Blocks (wie oben in den Videos) durch die Wohngebiete ziehen können, ohne, dass da auch nur ein Polizist zu sehen ist? Wie können die Leute da minuten- und stundenlang unbehelligt umherziehen und brandschanzen? Ich finde das merkwürdig.

Polizeigewalt gegen Regierungs- und Pressevertreter

Bei jeder Demonstration haben wir hinterher die Bilder gesehen, in denen stark bewehrte Polizisten brutalst gegen dünn bekleidete und schutzlose Demonstranten vorgehen. Blutende Gesichter, weinende Menschen, Einzelpersonen, die unter 3-4 schwer bewaffneten und ausgerüsteten Beamte begraben werden. Doch noch nie sah ich so viele Bilder und hörte so viele Berichte über das Vorgehen der Polizisten gegen Pressevertreter und sogar der parlamentarische Beobachter wurde von der Polizei angegriffen. Als seien wirklich auch die letzten Hemmungen gefallen. Die Opferzahlen unter den Demonstranten wurden noch nicht veröffentlicht. Ich denke, dass es viele, viele durch Polizeigewalt verursachte Verletzungen geben wird.

Mehrere Journalisten berichten über tätliche und verbale Angriffe der Polizei. Im Verlauf des gestrigen Abends hörte man von verschiedenen Medienhäusern, dass Journalisten die Akkreditierungen ohne Begründung entzogen wurden – ich mein klar, dem linksextremen Weser-Kurier muss ja mal jemand Einhalt gebieten!

Dieser Polizeieinsatz verstümmelt unser Grundgesetz

Die randalierenden Linksextremisten sind Verbrecher, und von ihnen erwarte ich – genau – Verbrechen. Das hingegen ist die Polizei, die Exekutive, die den Staat gegenüber dem Bürger vertritt und dafür sorgen soll, dass Gesetze eingehalten und Verstöße geahndet werden. Was dieser Polizeieinsatz jedoch mit unserem Rechtsstaat und unseren Bürgerrechten gemacht hat und noch macht, entbehrt jeden angemessenen Vergleichs. Man kann da kaum was dazu sagen, ohne irgendwas mit Erdogan oder Hitler zu murmeln und dadurch populistisch zu werden. Und dennoch:

Die Polizei greift Menschen aktiv an und schlägt grundlos massiv zu.

Die Polizei versucht mit allen Mitteln, die Presse an ihrer Arbeit und Berichterstattung zu hindern, dabei ist eine freie Presse ein Grundpfeiler unserer Demokratie und Bürgerrechte. Und diese Mittel sind nicht rechtsstaatlich.

Die Polizei begeht wissentlich und auf eigene Faust Rechtsverstöße (wie bei der Räumung des Camps)…

… und die Judikative deckt dieses unrechtmäßige Vorgehen hinterher ab, wenn es die Legislative vorher nicht hergibt.

Wichtig auch das Statement des anwaltlichen Notdienstes hier:

Wie bei den Demos gilt auch hier: Ich bin mir sicher, dass die meisten Polizisten ihren Dienst ordentlich und gut gemacht haben, genau so, wie die meisten Demonstranten okay waren. Dennoch dürfen wir die Polizisten, die einfach drauf losgeprügelt haben und damit ihren ganzen Berufsstand in schlechtem Licht dastehen lassen, nicht damit durchkommen lassen. Ich denke, hier wird noch viel passieren und rauskommen. Wenn wir das durchgehen lassen, müssen wir uns nicht weiter wundern: „Wie kann sowas wie in der Türkei möglich sein“? Es fängt immer klein an und plötzlich sitzt man beim Frühstück und wundert sich, wo eigentlich unsere Bürgerrechte hin verschwunden sind. Ich kann mir absolut kein demokratisches Szenario ausdenken, in denen solch ein Einsatz auch nur irgendwie vom Rechtsstaat abgedeckt sein soll. Und es wäre ein Skandal, wenn das spurlos an der Exekutive vorbeigeht, wie so oft davor. Die Desensibilisierung gegen Rechtsverstöße seitens der Staatsgewalt darf nicht noch größer werden. Auf Verbrechen kann der Staat nicht mit Verbrechen antworten.

Was bleibt?

Puh, ein ganz schöner Longread, ich weiß. Was bleibt jetzt von diesem ganzen Knoten? Keine Ahnung. Die Ausschreitungen überschatten all die wunderschönen bunten Proteste, die davor, parallel und danach stattfanden und -finden. Durch sowas erreicht man die, die man eigentlich erreichen will, nicht mehr. Die Politiker wenden sich ab und hören denen nicht mehr zu, die nicht brüllen und knüppeln, sondern wirklich etwas loswerden wollen. Es ist nicht mehr Bevölkerung gegen unmenschliche Politik. Es heißt nur noch linksextreme Klopper gegen die Polizei, andere Botschaften sind verloren gegangen.

Wir müssen jetzt aufpassen wie ein Schießhund, dass uns dadurch nicht noch mehr Bürgerrechte verloren gehen. Bürger und Politiker werden nach mehr Überwachung rufen und wir müssen uns laut und deutlich dagegen positionieren. Wir dürfen die Einschränkungen unserer Grundrechte wie Pressefreiheit oder Versammlungsfreiheit nicht einfach so hinnehmen. Wir müssen verunsicherten Mitbürgern klarmachen, dass mehr Überwachung und Co. nicht zu mehr Sicherheit, sondern nur zu weniger Bürgerrechten führt. Gerade vor den Bundestagswahlen ist das so wichtig, damit wir diese ganzen Menschen nicht an den rechten Rand verlieren. Und wir dürfen auch die Politik mit dieser Aktion nicht davonkommen lassen.

Auch, wenn es jetzt irgendwie schwerer zu fallen scheint: Wir müssen solidarisch bleiben und Zusammenhalt zeigen. Und nicht schwarz-weiß denken und sagen „alle Linken zünden Karren an“ oder „alle Polizisten sind Bullenschweine“. Das sind alles Plattitüden und klingt nach blabla, und doch haben wir sonst keine Alternative. Wir müssen friedlich weiter protestieren und deutlich machen:

Kein Handbreit dem Hass & den Faschisten.

Ende.

Titelbild Quelle: Y-Kollektiv | Illustration: (c) Moritz Stetter

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Nachtrag 10.07.

Natürlich wird es noch viel Aufarbeitung geben (müssen). Dennoch mag ich ein paar aktuelle, wichtige Punkte/Neue Erkenntnisse hier auflisten, jedoch ohne sie jetzt auch noch zu diskutieren:

  • In der Pressekonferenz der Polizei Hamburg wird hier ab Minute 37 gezeigt, wie Menschen einen Anschlag auf die Polizeibeamten vorbereiten. Man sieht den Abwurf eines Molotow-Cocktails. Diese Information hatte die Polizei HH schon während des Einsatzes geteilt, damit die Leute verstehen, wieso sie nicht weiter vorrückten und wie es dazu kam, dass das SEK hinzugezogen wurde.
  • Auf der Facebookseite der taz findet man Zusammenschnitte massiver Polizeigewalt. Unter anderem werden da Leute brutal niedergeschlagen, Menschen, die ihnen zu Hilfe eilen und sie einfach wegbringen wollen, werden ebenfalls von Beamten angegriffen.
  • Olaf Scholz drückt sich um wichtige Fragen herum, redet viel schön und weicht aus. Mal sehen, was da noch alles kommt. Gestern war er bei Anne Will, das Video kann man hier anschauen.
  • Für ein Deutschland, in dem wir Reichen gut, gerne und realitätsfern leben.

    Es ist nicht mehr lange hin bis zur Bundestagswahl, weshalb die Union nun endlich ihr Wahlprogramm vorgestellt hat. Schon bei der Enthüllung des Kampagnenlooks, erstellt von Jung von Matt, wurde der Claim, der die Kampagne begleiten wird, der Öffentlichkeit präsentiert:

    „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“

    So weit, so nichtssagend. Für Social Media hat man sich den „markigen“ und „einprägsamen“ Hashtag #fedidwgugl ausgesucht. Inspiriert von #covfefe? Man weiß es nicht.

    Jedenfalls kam heute die ganze Präsentation des Programmes, Pressekonferenzen, Social Media-Rummel, pipapo, das Übliche. Sie wollen Vollbeschäftigung, Sicherheit, niedrige Steuern, blablabla – eben das, was man jede Wahl so hört und das eh nie passiert.

    Da dieses ganze Parteiprogrammzeugs ja ziemlich abstrakt ist, ist es gut, dass uns Personen wie der CDU-Generalsekretär Peter Tauber ganz praktisch und konkret zeigen, wie so ein gutes Leben in Deutschland aussehen kann und was mit diesen ganzen komplizierten Formulierungen WIRKLICH gemeint ist. Er greift damit die Tradition der Parteiprogramme in einfacher Sprache auf und erklärt uns und einem verwirrten Rechten auf Twitter:

    Was wenige wissen: Der Hashtag geht eigentlich noch weiter! Er heißt nämlich: #fedidwgugladaddsdsifekdn. Das bedeutet:

    „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Außer die Assis, die Doppelschichten schieben, um ihre Familien zu ernähren. Die nicht!“

    Alles Versager, außer Peter

    Mann. Hätten die ganzen Altenpflegerinnen und -pfleger eben was ORDENTLICHES gelernt, hätten zum Beispiel ne Schwarzgeldlehre bei der CDU machen können! Wären die halt Banker geworden und hätten mit CumEx die deutschen Steuerzahler ausgenommen! Aber nein, haben halt was UNORDENTLICHES gelernt. Oder all die Menschen, die unsere Pakete zustellen, nachts die Regale in den Supermärkten einräumen, all die Leute im Callcenter, all die Menschen an den Docks am Hafen, die Nachtschichten schieben, all die Menschen, die nicht die Möglichkeit hatten, eine gute Ausbildung zu erhalten, die ganzen Leute mit guter Ausbildung, die dennoch nichts finden, all die Menschen über 50, die keiner mehr einstellen will und die in Hilfsjobs arbeiten müssen, all die Alleinerziehenden, die mit 2-3 Jobs jonglieren, damit das Kind auch mal mit auf Klassenfahrt kann, alles Versager! Ich mein ja okay, wir brauchen die halt, da sonst unsere Gesellschaft und Wirtschaft zusammenbrechen würde, aber dann sollen die wenigstens nicht so laut heulen, oder? Das Geschrei des hungrigen Pöbels ist SO LAUT und nervig, findet ihr nicht? Hätten die eben was Ordentliches gelernt, irgendwas ohne Gewissen und mit viel Geld im Spiel. Außerdem sollten die vielleicht ein bisschen sparsamer leben, ein Brot kostet doch nur 50 Pfennig im Supermarkt, oder wie ist da der aktuelle Preis? Sorry, ich weiß das nicht mehr, meine Diener gehen immer für mich einkaufen, hab was Ordentliches gelernt, wisst ihr.

    ODER (!) man macht es eben wie Peter Tauber, promoviert in Geschichte und landet dann bei der CDU, wo man dann als Abgeordneter unter anderem auch vom Steuergeld von Geringverdienern lebt und nebenher noch 140.000 € an Nebeneinkünften einstreichen kann.

    Ich meine: Was regen die sich auf? Wenn das Brot alle ist, kann der Pöbel doch Kuchen essen, hihihi! Keine Ahnung, ob das eine Wahlkampftaktik der Union ist – aber falls ja, haben sie das Konzept des „Antihelden“ sehr falsch verstanden.

    Danke Peter, dass du uns gezeigt hast, wofür die CDU wirklich steht! Diese Wahlempfehlung werden wir uns bis September gut merken.

    Ich freu mich jedenfalls schon auf deine halbherzige Stellungnahme aus dem PR-Handbuch. Bussi auf’s Bauchi! 🙂

    Dein Seeräuberbatman

     

    Das wird man doch wohl noch hetzen dürfen – die FAZ & ihr Gastbeitrag zur Ehe für alle

    Vor 24 Stunden habe ich den Artikel „Wir verraten alles, was wir sind“ über einen Tweet von Anna-Mareike Krause gelesen:


    Eigentlich wurde dazu alles schon gesagt… von mir, von anderen, und so weiter. Doch die Stellungnahme der FAZ dazu bringt mich jetzt dazu, meine Gedanken dann doch noch einmal länger aufzuschreiben und dadurch zu sortieren, auch für mich. Ich würde den ganzen Text am liebsten mit den beiden Mittelfingern in die Tastatur hacken, aber dafür sind meine Finger zu schwach. Jedenfalls: Das hat das Social Media Team der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu geschrieben:

    Das regt mich dann doch etwas auf. Dieses Muster kennt man ja auch aus Richtungen der AfD: Erst das Fass aufmachen, ordentlich mit Gülle füllen und sich dann wundern, wo die ganze Scheiße da drin her kommt und man habe es gar nicht so gemeint.

    Es ist ja nicht so, als gäbe es ein Gesetz, das besagt, dass man Gastartikel drucken MUSS. Die Redaktion hat den Artikel abgenommen, vermutlich redigiert, den Artikel ins Layout geschickt, gesetzt, gedruckt. Es ist kein Versehen, es ist nicht so, als habe das niemand mitbekommen. Ich meine: Was ist, wenn die NPD mal einen Gastartikel über Juden in der FAZ publizieren will? Können die das dann? Auch, wenn es vielleicht nicht die Redaktionsmeinung widerspiegelt, dass man sich vor dem Weltjudentum hüten müsse? Was war die Qualifikation dieses Gastautors, der offensichtlich unter Pseudonym schreibt?

    Ganz besonders interessant ist die Stelle im Text, in der sich der Autor über die Intoleranz der schwulen Community aufregt:

    Ich weiß nur zu gut, wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der Gay-Community ist – wer etwas anderes meint, wird gleich als „Verräter“ gebrandmarkt.

    Äh ja. Also wenn sich jemand hinstellt und erzählt, dass Schwule und Lesben viel eher Kinder missbrauchen als Heteros, dann verwundert es mich nicht, dass die Gay-Community da nicht sagt: Geiles Argument, danke! Der Gastautor kann sich ja gern mal zu ein paar Polen stellen und erörtern, wie es so ist, dass die alle Autos klauen. Oder er stellt sich mal zu ein paar Türken und fragt wie es ist, Islamist zu sein und seine Frau zu schlagen. Steile These: Ich vermute mal, dass diese Themen ebenfalls „schwierig“ zu diskutieren sind.

    Alle Menschen sind gleich, aber Heteros sind gleicher

    Aber schauen wir uns doch mal ein paar der Thesen an:

    Da haben wir jahrhundertelang um die Anerkennung unserer Differenz gekämpft, unsere Besonderheit und Auszeichnung nicht reproduktiver Sexualität (…)

    Ich bin heterosexuell, habe aber viele Schwule und Lesben in meinem Freundeskreis. Ich habe noch nie mitbekommen, dass jemand gesagt hat: Ich kämpfe für das Recht, dass ich anders wahrgenommen und behandelt werde als Heteros – aufgrund meiner sexuellen Präferenz. Eigentlich hatte ich immer den Eindruck, es ginge um Gleichberechtigung und Gleichstellung, darum, dass man sagt: Schwul oder lesbisch ist nicht seltsam, sondern gehört zum Spektrum des Menschseins genau so, wie hetero zu sein, bi, trans oder sonstwie queer. Es ist „normal“ (eigentlich mag ich das Wort nicht) und passt schon alles so. Aber nun gut, was weiß ich schon.

    Aber die „besten“ Stellen kommen noch.

    „Wir wollen so sein wie alle (…)“

    Nein, natürlich nicht. Schwule und Lesben wollen ausgestoßen, gebrandmarkt und dann mit Peitschen aus der Stadt getrieben werden. Oder so. Wieso so wie andere Menschen wahrgenommen werden, püh.

    Aber mal im Ernst, lieber Gastautor: Nur, weil es die Ehe für alle geben wird, bedeutet das nicht, dass du mit Frauen schlafen musst. Du musst nicht plötzlich hetero werden. Chill deine Base, meine Güte.

    Weiter im Text behauptet er, genau wie im Titel, dass sich Schwule und Lesben selbst verraten würden durch die Ehe für alle und das damit verbundene Adoptionsrecht. Hier meine Frage: Seit wann definiert ein anonymer Gastautor, wie sich einzelne Menschen identifizieren? Womit sie sich selbst definieren, was sie ausmacht?

    Was ist das überhaupt für ein „Kinderwunsch“? Wird euch das Kind nicht zur Ware narzisstischer Selbstbefriedigung?

    Auf Twitter und Co. habe ich gestern und auch generell schon öfter gelesen, der Wunsch von Schwulen oder Lesben nach einem Kind sei selbstsüchtig. Hier frage ich mich gerade, was den Wunsch eines Heteropaares nach einem Kind irgendwie altruistischer macht? Bekommen die das Kind für’s Vaterland oder was? Für die Rentenkassen? Fragen die das Spermium und die Eizelle vorher, ob die Bock haben, gemeinsam zu deren Kind zu verschmelzen? Was genau ist bitte am Kinderkriegen NICHT egoistisch und was daran ist bitte schlecht? Man bekommt das Kind, weil man es sich selbst wünscht. Idealerweise macht man das nicht für andere, sondern allein für sich. Weil man Mama oder Papa werden möchte, ganz einfach. Und das ist gut und richtig so. Man selbst hat den Wunsch, ein Elternteil zu werden: Go for it. Es ist nicht so, dass heterosexuelle Menschen anders fühlen als homosexuelle Menschen. Und es ist nicht so, dass die Beweggründe und Intentionen Heterosexueller irgendwie „ehrenhafter“ oder edler als die Homosexueller sind. Der Kinderwunsch ist etwas ganz Natürliches, das vielen Menschen innewohnt. Und jeder sollte das Recht und die Möglichkeit haben, ihn auszuleben. Ob man ein gutes Elternteil ist, hängt nicht davon ab, ob man als Frau lieber Brüste knetet oder als Mann lieber in der Armkuhle eines bärtigen Riesen einschläft.

    Schwul = pädophil – und andere Märchen

    Und ist es wirklich so abwegig, was manche Gegner der Homo-Ehe behaupten, dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt, und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei, weil die sexuelle Outsider-Rolle eine habituelle Freizügigkeit erotischer Binnenverhältnisse ohne alle sexual-ethischen Normen ausgebildet habe?

    Das ist ziemlich harter Stoff. Dass Homosexuelle, vor allem Schwule, pädophil seien ist ein so altes Märchen wie das, dass die Juden Brunnen vergiften. Und genau so ist es einfach Unfug. Dass so etwas in einer großen deutschsprachigen Zeitung abgedruckt wird, ist ein Skandal. Und es bringt auch nichts, dass man jetzt auf „das wird man doch wohl noch fragen dürfen“ macht. Wenn man das fragen darf, dürfte ich auch fragen, ob man im dortigen Ressort morgens erst einmal Aufwärmübungen mit dem rechten Arm macht, bevor man sich an die Tastatur setzt. Denn wessen Geistes Kind dieser Auswurf ist, ist ja wohl offensichtlich: Die AfD und Neue Rechte trieft aus jeder Zeile.

    Übrigens hat MEEDIA auch schon eine Idee, wer das war. In der rechten Szene ist dieser Autor kein Unbekannter, auch mir begegnet sein Blog bei Recherchen im rechten Netz immer wieder:

    Auch wenn dieser „Publizist“ in seinem Twitter-Feed so tut, als sei es eine Verschwörungstheorie: Ich glaube kaum, dass er einen kompletten Text von der FAZ kopiert und damit eine Klage riskiert. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Text von David Berger stammt. Laut FAZ Ist der Autor „Philosoph“ und „Psychologe“, der NGOs berät. Na und ratet jetzt mal, was David Berger studiert hat ;-)…

    Dieser Autor ist übrigens auch der Urheber dieser Glanzleistungen:

    Schon klar, der berät bestimmt Flüchtlingshilfsorganisationen oder so.

    Ich möchte hier noch einmal einen Teil aus dem MEEDIA-Artikel zitieren:

    Auf die harschen Reaktionen auf den Gastbeitrag angesprochen, sagt FAZ-Redakteur Müller: „Die ‚Fremde Feder‘ ist, wie der Name schon sagt, ein Ort für pointierte, auch provozierende Debattenbeiträge von Fremdautoren. Insofern haben wir mit Reaktionen gerechnet. Uns hat dennoch die Intoleranz einiger Kommentare überrascht.“

    Statt sich zu entschuldigen, wird hier ein feiger Versuch gestartet, sich aus der Affäre zu ziehen. Dass Menschen sagen: „Hallo, ich find es scheiße, dass ihr mich als pädophil darstellt“, ist also verwunderlich. Scheiß die Wand an, wer hätte damit rechnen können?!

    Aber okay, das lass ich jetzt einfach mal so stehen. Nur eins noch:

    Dass eine Gruppe mehr Rechte als vorher und damit dieselben Rechte wie man selbst bekommt, ist nichts Schlimmes. Es wird euer Leben nicht beeinträchtigen. Ihr könnt noch genau so viel machen oder sein lassen wie vorher. Noch genau so euer Leben lieben oder hassen, wie bislang auch. Es macht euer Leben nicht besser, wenn ihr eine Gruppe kleiner haltet, einfach nur aus Angst, dass jemand glücklicher sein könnte als man selbst.

    Ende.